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Alles "neu" macht der Mai

Geschrieben von Shrike , 12 Mai 2012 · 125 Aufrufe

Mit dem 10 Mai, dieser Woche, sind es nun ganze 10 Monate her seitdem ich meinen zweiten und bisher letzten Margin Call erlitten hatte. Der 11 August war damals wie ein Neustart für mich. Danach folgten spektakuläre 7 Monate wo ich Woche für Woche zu neuen Höchstständen eilte und vermutlich auch etwas zu selbstsicher wurde. In diesem Zeitraum konnte ich mein Kapital etwas mehr als verdoppeln. In den letzten 3 Monaten gab ich dann wieder etwas über 1000 euro am Markt ab, was jedoch durchaus im Rahmen eines normalen DD liegt. Zwei Monate beendete ich mit einem Minus, der andere war BE.

Nun, ich kann jetzt schon vorher sagen das ich in den kommenden 7 Monaten das Konto nicht mehr verdoppeln werde (es sei denn im Chf tut sich endlich was und ich habe genug Nerven bei der Bewegung lange genug dabei zu bleiben). Ganz einfach deshalb weil ich das Risiko meiner Kontogrösse angepasst habe. Allerdings hat sich der Markt auch verändert und was monatelang super funktioniert hat, ist nun nicht mehr möglich.

Letztendlich waren die letzten 10 Monate für meine Entwicklung als Trader, die effektivste und produktivste Zeit überhaupt. Gerade erst vor kurzem fiel mir auf wie ich die Unterstützungen und Wiederstände im blossen Chart erkenne, ohne Indi's. Für mich ein Riesen Schritt. Ich bin endlich am nackten Chart angekommen und seit 4 Wochen handel ich auch nur noch anhand diesem, bisher erfolgreich. Es ist ein cooles Gefühl wenn es irgendwie "Click" macht und man plötzlich eine neue Ebene erreicht hat. Man vertraut immer mehr den eigenen Entscheidungen. Dieses "Clickgefühl" hatte ich ihn den verschiedensten Facetten meines Trading's in den vergangen Monaten immer wieder.

Ich möchte an dieser Stelle kurz etwas ausholen. Es war das Jahr 2000, ich war gerade fertig mit meiner Lehre und hatte als Zivi viel Zeit, die ich irgendwie nicht nur mit Feiern verbrachte. In den Mittagspausen beobachtete ich die Kurse bei N-TV im Ticker oder im Videotext und lauschte gespannt den Worten von Stefan Riße (von dem ich hier noch ein signiertes Buch rumliegen habe). Dann eröffnete ich ein Depot bei der Postbank (easytrade) und handelte mit meinem 56k-Modem. Zuerst den Videotext gecheckt und dann schnell runter in meine Wohnung und die Order aufgegeben. Ich handelte damals Infineon und SAP. Ohne es zu wissen betrieb ich eine Art Swingtrading. Bei 8 gekauft und bei 12 verkauft. Dann wieder gewartet. Keine Charts, nicht's. Das lief ziemlich lang gut so und ich machte einen kleinen vierstelligen Betrag. Von Short gehen, Stopp Loss setzen usw. wusste ich noch nicht's. Die Haltedauer sollte meist einige Monate betragen. Ich machte also nur in etwa 7 bis 8 Trades. Danach brauchte ich das Geld und es war erst mal Schluss mit Trading. 4 Jahre später startete ich meine Selbstständigkeit und wollte auch wieder Traden. Diesmal jedoch professioneller und kaufte mir deshalb ein Buch. "Behersche den Markt" von Michael Parnes. Typisch amerikanisch das ganze, aber für mich eine Offenbarung. "Was, man kann Short gehen und sich mit einem SL absichern? Wie geil ist das denn!!!"

Da ich nun profesionneller sein wollte, wechselte ich zu Cortal Consors und besorgte mir Rückendeckung von Deutschland's Magiern der Märkte. Ich abonnierte den Börsenbrief von Markus Frick, dem Bäckermeister. Jetzt ist es raus, aber ich muss zu meiner Verteidigung sagen, ich war jung und brauchte das Geld. Ich dachte mir halt nur wenn der 1000% verspricht, sind ein paar hundert Prozent bestimmt möglich. Daran das ich verlieren könnte, dachte ich nicht. Zum Glück durschaute ich schnell sein Spiel und versuchte ihn auszutricksen. So verdiente ich 3000 Euro in 5 Tagen. Meine nächste Order seines stark beworbenen Pennystocks lag bei 15000 euro Einsatz inklusive Margin. Ich hatte nie vor diesen Trade so lange zu halten wie er. Wollte nur kurz mitfahren. Allerdings hatte der Bäckermeister mich diesmal geleimt und verkündete für das WE gute Nachrichten um dann ein Tag vor dem Wochenende die Hälfte seiner Position glatt zu stellen. Dies löste eine unheimliche Verkaufspanik aus und ich verlor in dieser Position 5000 euro. Zum Glück hatte ich verkauft. Der Kurs dieses Pennystocks erholte sich nie mehr. Für mich war das Thema Frick durch und später musste er sich auch noch vor Gericht wegen Insidergeschäften behaupten. Einige können sich vielleicht noch daran erinnern. Ich handelte aber auch Zertifikate mit grossem Hebel und machte so meine ersten 100% mit Silber. Danach, nach 3 Monate, brauchte ich wieder Geld und es folgte eine weitere Pause. 2006 packte es mich wieder, CMCMarkets kam nach Deutschland und ich glaubte damals alles was mir auf den Roadshows gesagt wurde. Ich eröffnete ein Konto bei CMC und scalpte wie ein verrückter den DAX. Ich glaub in 2 Std. waren es mal ca. 70 Trades gewessen. Nach einer Woche hebte ich das Geld mit 200 euro Gewinn wieder ab um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Kurze Zeit später verbrannte ich einige hundert euro bei Clickoptions um dann ganz tief zu fallen und zwar bei den HYIPS's. Ich machte in einem halben Jahr virtuelle 40.000 Euro!!! Na ja, auf meinem Konto habe ich diese noch nicht gefunden. Ist schon komisch wie wenig Hirn man an den Tag legen kann wenn man nur noch Dollarnoten vor den Augen hat. Da überweist man irgendwo 10.000 euro hin, aus purem Vertrauen. Zum Glück hat mich das HYIP-Abenteuer nicht mehr als ein paar hundert euro Lehrgeld gekostet. Während dieser Zeit versuchte ich das Geld für einen Managed Account zusammen zu kriegen. Als es dann so weit war und ich diesen MA eröffnete, bei einem deutschen Anbieter (ich erwähne lieber keinen Namen), staunte ich nicht schlecht als nach 3 Monaten nur noch 40% der Ursprungssumme da war. Danach wechselte ich ins Lager der Konservativen und stieg in einen eher konservativen Hedgefond ein. Was seriöses. Denkste, nach einem Jahr kam heraus das der Manager ein Betrüger sei und von den hundert Million an Kundengeldern vielleicht noch ein paar hunderttausend übrig sind. Der Manager hat sich mittlerweile erhängt. Danach hatte ich erstmal die Nase voll. Bis ich dann im Jahr 2010 mein erstes MT4-Konto eröffnete und zwar bei Activtrades. Mein Plan, den neu gestarteten Börsendienst vom Tradingweltmeister Andrea Unger nachzutraden. Immerhin war der Mann der Gewinner dieser Championship die auch schon solch "Legenden" wie Larry Williams gewonnen hatte. Das musste doch was taugen. Es taugte nicht's. Ich kündigte und scalpte im Dax ein wenig selber. Das war nach 40 Minuten dann mein erster Margin Call. Danach zahlte ich mir den Rest aus und machte erst mal wieder ein halbes Jahr Pause. Ende des Jahres kam ich dann zu EA's, nebenbei beschäftigte ich mich mit Gann und der Marketmatrix von Steve Copan. Extrem hochtrabendes und kompliziertes Zeugs was ich nie umsetzen würde. Das merkte ich allerdings schnell und verbannte diese Ideen, die ohnehin nur Wissenschaftler verstehen konnten. Und somit kamen wir letztendlich zum 2 Margin Call, wegen einem zu kleinen Konto, und der darauffolgenden Rally.

Lange Rede kurzer Sinn: Was ich damit eigentlich nur sagen wollte ist, das ich immer jemanden gesucht habe der es drauf hat. Ich dachte immer den Magier der Märkte finden zu müssen, da ich selbst doch gar nicht bestehen könnte in diesem Haifischbecken. Sei es durch Börsenbriefe, Managed Account's, Fond's, Bücher usw. Die Magier der Märkte, Turtletrader und CTA-Händler waren meine Helden. Da wollte ich mit drann teilhaben. Ja, ich bin ein Opfer in den letzten Jahren gewessen. Aber das Haifischbecken war ein anderes. Bestehend aus Broker/Bucketshops, Marketer und Betrügern. Warnungen habe ich genug in den Foren gelessen. Glauben wollte ich nicht. Musste die Erfahrungen selber machen.

Letztendlich kann man sagen das ich seit rund 12 Jahren an der Börse mitmische, durch die vielen Pausen wesentlich weniger, aber erst seit 12-15 Monaten wirklich ernsthaft die Grundlagen des Tradings erlerne. Mal abgesehen von dem Fachwissen das ich aus Büchern habe.

Meine Revolution im Trading hat dazu geführt das ich mir selbst am meisten vertraue. Ich habe absolut kein Bedürfnis mehr irgend jemand anderen für mich machen zu lassen. Nennt mich einen Spätzünder oder Depp, ich habe lange gebraucht, ich weiss, aber endlich habe ich es auch kapiert.:-)

Ich möchte nur kurz zusammen fassen was bei mir für AHA-Effekte und eyeopener gesorgt hat:

-Das umfangreiche Wissen das man kostenlos im Netz über Price Action findet, sei es hier im Forum (z. B. der vorzügliche Thread über Pin Bar-Trading), oder aber in der Forexfactory. Ich sag nur J16

-Das Erkennen und Verstehen von Support und Resistance sowie Pivotlinien

-Dirk duToit's Sicht des Marktes, nachzulessen in seinem E-Book "Bird Watching in Lion Country"

-Voigt, das grosse Buch der Markttechnik, so viel besser als Larry Williams oder Michael Parnes

-Zu sehen wie die Magier der Märkte ticken, nachzulessen in Jack Schwager's Klassiker

-Das Spiel der Spiele von Livermore, der Markt ändert sich nie, dieses Buch ist der Beweis, selbst solch üble Marketmaker wie wir sie heute überall finden gab es damals schon. Wurden da noch als Bucketshops bezeichnet.

Die beiden letztgenannten Bücher habe ich schon vor längerer Zeit gelessen, aber ich finde das sie ganz wichtig für meine Entwicklung waren.

-Und dann noch einige Personen die mir persönlich geholfen haben. Manchmal steht man auf dem Schlauch und ein kleiner Hinweis eines anderen reicht um einem die Augen zu öffnen. Auch hier aus diesem Forum gibt es Personen die mir geholfen haben:-)

Ich weiss das einige skeptisch sind was das Preis-Leistungs-Verhältnis von Büchern betrifft. Wir leben schließlich in einer "Geiz ist geil" Gesellschaft, das ist mir schon klar. Es stimmt schon das man sich das ganze nötige Wissen im Internet kostenfrei besorgen kann. Aber ich bevorzuge nun einmal ein gut aufbereitetes Buch das ich überall gemütlich lessen kann. Auf jeden Fall macht man mit den von mir angeführten Buchtiteln nicht's falsch und ich würde diese Bücher sogar zur Pflichtlektüre zählen (wenn man sich Bücher über das Trading zulegen möchte).

Warum nun "alles neu macht der Mai"?

Ganz einfach. Ich habe nun ein neues Konto gestartet (damit ich das später besser über MyFXBook analysieren kann) und werde in ein paar Wochen ein weiteres starten. Diese Konten werden wahrscheinlich auch früher oder später in meiner Signatur verlinkt. Letztendlich sind die Tradingansätze dieser Konten nich wessentlich anders als das was ich die letzten Monate auch schon betrieben habe. Aber sie sind konsequenter/besser ausgearbeitet. Diese Konten unterscheiden sich vor allem in den Kategorien, Tradeeröffnung, Take Profit und Moneymanagement von den früheren. Da der letztere Punkt eine entscheidende Rolle spielen wird, wird die Tradeeröffnung zukünftig auch wessentlich disziplinierter ausfallen. Alles hängt halt miteinander zusammen.

Der Ansatz des ersten Kontos beruht auf Price Action, wird allerdings mit Bird Watching kombiniert. Das zweite Konto beruht nur auf Price Action und arbeitet mit einem strikten MM und einem positiv angestrebten Risk to Reward Verhältnis. Ich freue mich darauf zu sehen wie sich die beiden Konten im direkten Vergleich schlagen werden.

Das war's erst einmal von mir. Ist ziemlich lang geworden diesmal.







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Rainbowtrader
12.05.2012 - 08:35 Uhr
Hallo Shrike,

schöner offener Beitrag - so etwas gefällt mir! :)

Ist schon spannend, was ein jeder hier so für eine Geschichte zu erzählen hat. Und auch, wenn man die Erfahrungen eines anderen nicht oder nur teilweise gemacht hat, so kann man sie doch gut nachvollziehen. Dafür macht man eben andere Erfahrungen. Wichtig ist nur, aus diesen zu lernen. Die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der eine wirft die Flinte ins Korn und der nächste ergreift die Chance und fragt sich, da er ein Gestalter ist, und kein Opfer: "Was kann ich tun? Was habe ich aus dieser Situation gelernt? Welches sind die Lektionen, die ich gerade erteilt bekommen habe?". Selbst die Verantwortung zu übernehmen ist der wichtigste Schritt. Ansonsten scheitert man wieder an derselben Stelle.

Vor ein paar Tagen habe ich gegen meinen Tradingplan verstoßen und einen Verlust von 15% generiert. Einfach mal so, weil die Pferde mit mir durchgegangen sind. Genauer: weil ich mir gesagt habe: "Jetzt hab die Klöten, das auch durchzustehen - lass Dich diesmal nicht von den Big Boys an der Nase herumführen.". Ich wollte den Verlust nicht realisieren. Damit habe ich derzeitig ein Problem. Hat mit Versagen zu tun, also Thema "Ängste". Soviel zu Klöten haben...

Meine Reaktion: Konto von Oanda abgeräumt. Traden auf Eis legen für die nächsten Wochen, und wenn es sein muss, auch für Monate. Und mich mit meiner eigenen Psyche beschäftigen, mit meinen unterbewussten Glaubenssätzen, meinem Selbstwertgefühl, meinen Emotionen und diesen Dingen. Hier liegt ein Stapel von 5 Büchern, die warten nun auf mich (sind nur Krücken, mir gehts um die Fragen, denen ich mich stellen will). Erst wenn ich diese durchgearbeitet habe, wandert das Geld wieder zu einem Broker. Ob es dann wieder Oanda sein wird, wird sich zeigen, ich wollte eh den Broker wechseln - wobei das mein liebster Marketmaker ist, muss ich schon gestehen. Wechsel macht also nur dann Sinn, wenn ich zum Interbankenhandel übersiedle.

Worum es mir geht, also hier für Dich und für die anderen Leser: man sollte auf sich selbst hören, sich selbst reflektieren lernen, um zu merken, wo es hapert. Und wir halten uns alle für die totalen Helden, die keine Schwächen haben und über psychologische Themen einen großen Bogen machen wollen, doch das trifft den Kern. Jeder sollte sich Gedanken dazu machen, wo es wirklich hängt, um sich anschließend auch von diesem Balast freimachen zu können. Ob das nun Deine Gurus in der Vergangenheit betrifft oder eine suboptimale Grundhaltung zu Thema Geld bei mir - das ist immer sehr individuell. Selbst die Verantwortung zu übernehmen ist immer die Grundlage, um sich weiterzuentwickeln. Das tust Du. Du bist auf dem richtigen Weg. Auf dem Shrike-Weg, der eben auch 2 Margin-Calls beinhaltet. Und manch anderes. Und das ist gut so.

Liebe Grüße,
Rainbowtrader
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