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Phase 4 - Paroli-Projekt

Geschrieben von DaBuschi , in Wochenrückblick 30 Dezember 2010 · 283 Aufrufe

Es ist nun fast einen Monat her, dass ich über Phase III berichtete. Da Phase IV sich auf mein aktuelles Trading bezieht, gibt es doch nichts besseres, als die tradingfreie Zeit zwischen den Jahren (zumindest für mich tradingfrei) zu nutzen, um das vergangene Jahr bzw. Phase IV Revue passieren zu lassen.

Deshalb gilt es auch ein Update des aktuellen Equity-Graphen hier zu verewigen. Nachfolgendes Bild zeigt die Entwicklung meines Kontos seit Kontoeröffnung vor knapp 3 Jahren an.

http://img267.imageshack.us/img267/6506/gesamtgraph.jpg


Ich wäre kein Trader, wenn ich nicht beim ersten Blick auf den Graphen einen Trend erkennen würde. Nach einem Hoch folgt ein tieferes Hoch. Per Definition ist das ein Abwärtstrend und deshalb auch die Trendlinie in rot als Warnhinweis.

Das ist aber auch schon das einzig negative an der Sache. Die positiven Punkte nehmen sich da schon umfangreicher aus. So ist mein Konto z.B. nach knapp 3 Jahren noch immer existent und damit schon knapp 2 1/2 Jahre länger als das Durchschnittskonto des Retailtraders. Im Schnitt sind die meisten Konten nach 3-6 Monaten wieder inaktiv. Und jeder von Euch weiß, dass inaktiv = platt bedeutet, denn solange noch Geld zum Handeln da ist, wird der Mensch getrieben von Gier nicht aufhören zu traden.

Ein weiterer positiver Punkt ist, dass ich mit knapp 1.000 EUR im Gewinn bin. Bei einem Startkapital von 2.000 EUR sind das 50% in 3 Jahren. Das entspricht einer Rendite von 14,47% p.a. Das ist schonmal deutlich besser als buy and hold mit dem Dax, denn der stand vor 3 Jahren höher als heute, hat quasi negativ performed. Auch sonst sind knapp 15% pro Jahr nicht schlecht. Wenn ich so weitermache, brauch ich bis zur Million nur noch 43 Jahre. Na wenn das nicht vielversprechend ist

Nun ja, ich gedenke allerdings meine Performance zu steigern, denn ursprünglich hatte ich 100% p.a. angepeilt und hinter diesem Plan hinke ich somit leicht hinterher. In Zahlen sind das 93% Zielabweichung, da ich anstatt 14.000 EUR Gewinn zu haben (3x 100% also Ende 2008 = 4.000€, Ende 2009 = 8.000€ und Ende 2010 = 16.000€) habe ich nur 1.000€ und damit nur knapp 7% des geplanten Gewinnes. Jetzt ist das allerdings weniger tragisch, denn vor allem für Anfänger (und Anfang 2008 war ich noch in ganz anderen tradingtechnischen Sphären unterwegs) ist es unrealistisch, solche Gewinne zu erzielen. Demnach ist es rückblickend durchaus logisch, dass die Performanceziele nicht erreicht werden konnten. Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, was mich zum Paroli-Projekt und dem nächsten Graphen bringt.

Den Grundgedanken zum Paroli-Money-Management könnt Ihr nochmal unter folgendem Link nachlesen:

Paroli-Money-Management

Kurz sei aber darauf hingewiesen, dass beim Paroli-System hohes Risiko aufs Handelskapital angewendet wird, welches dann nach Erreichen diverser Gewinnstufen teilweise in Reservekapital gewandelt wird, um Risiko aus dem Markt zu nehmen. Ich hatte im Verlauf des Projektes bereits die Gewinnstufen 1 (2.000€), 2 (3.000€) und 3 (5.000€) hinter mir gelassen, wodurch ich mein Reservekapital auf 3.500€ anheben konnte. Begonnen hatte ich mit 1.333,60€. Demanch ist mir eine Performance von 162% sicher.

Das bringt mich auch gleich zum Equity-Graphen seit Beginn des Projektes im Juli 2010.

http://img822.imageshack.us/img822/4079/paroliewgraph.jpg


Einige von Euch wissen, dass ich mich ein wenig mit der Elliott-Wellen-Theorie beschäftigt habe und ebenso wie ich den ersten Chart analysiert habe, will ich dies auch beim zweiten Chart tun. Man behauptet von der Wellentheorie, dass sie immer funktioniert, weil der Mensch sich nie ändern wird bzw. immer wieder die gleichen massenpsychologischen Phänomene auftreten werden. Nun bin ich selbst kein massenpsychologisches Phänomen, aber die Wellen lassen sich auch anderswo in der Natur finden. Hier sei kurz das Beispiel der Gewichtsabnahme erwähnt. Man nimmt sich vor, Pfunde zu verlieren und wie wir wissen, ist das nicht immer so einfach. Die ersten Pfunde gehen ganz schnell (Welle 1), man ist euphorisch und freut sich und rechnet sich schon aus, wie lange es noch dauert, bis man das Idealgewicht hat. Dann kommt eine Durststrecke mit tendentiell leicht steigendem Gewicht (Welle 2) bis hier eine Grenze erreicht wird, die man selbst schon wieder als Schmerzgrenze empfindet, weil man doch eigentlich nicht auf die alten Höchststände zurückwollte. Jetzt hat man psychologisch betrachtet die besten Voraussetzungen um in eine lange ausgedehnte Welle 3 überzugehen, in der man sich strikt an seine Diät hält und das Ziel ernsthaft verfolgt. Mit den purzelnden Pfunden steigt die Euphorie wieder an und man eilt dem Ziel schnurstracks entgegen und kommt immer näher. Kurz vorm Ziel kommt dann wieder eine kleine Leichtsinnsphase, wo man sich sagt, dass man es schon schaffen werde, aber jetzt habe man sich die Tafel Schokolade oder den Snack zwischendurch schonmal verdient und man legt wieder leicht zu (Welle 4). Diese Phase kann sich etwas ziehen, bis man wieder den nötigen Ernst aufbringt, um den letzten und finalen Abschnitt (Welle 5) in Angriff zu nehmen. Alles nur Psychologie - ohne den Willen nehmen wir nicht ab und hören nicht mit dem Rauchen auf.

Aber egal. Ich will in meinem Fall nicht von einem Abwärtsimpuls beim Gewichtsverlust sprechen, sondern vom Aufwärtstrend der Equity-Kurve:

So hatte ich zu Beginn des Projektes sogleich einen Aufwärtstrend über das Gewinnziel 1 der von Euphorie begleitet war (Welle 1). Dies führte zu Leichtsinnsfehlern und einer Verlustserie bis nahe an die Grenze des Reservekapitals (Drawdown knapp 30%), was man als Welle 2 bezeichnen kann. Dann riss ich mich zusammen und fokussierte mich wieder auf sinnvolle Trades und Gewinne laufen lassen, was mein Konto über die Gewinnstufe 2 bei 3.000€ hinaus schnell bis kurz vor Gewinnstufe 3 bei 5.000€ brachte. Dies lief wie von selbst, aber wie immer, wenn etwas wie von selbst läuft, weil der Markt in dieser Phase auch viele Fehler verziehen hat, schleichen sich schon erste Fehler ein, ohne das man dies groß bemerkt. Das überschreiten der nächsten Schwelle wird zum Hauptziel und man wird zögerlicher oder vielmehr nimmt man schneller Gewinne mit, als man dies sonst so tat und Verlierer liefen teilweise mit voller Positionsgröße in den Verlust (Welle 4). Erneut besann ich mich aufs Wesentliche und pushte das Konto dann doch noch auf neue Hochs und damit über die neue Gewinnschwelle. Das beruhigte die Nerven und das Reservekapital konnte auf 3.500€ angehoben werden. (Welle 5 und übergeordnete Welle 1 abgeschlossen)

Dann kam was kommen musste. Der Markt wurde schwieriger zu handeln oder es wurde schwieriger für mich, den Markt richtig zu lesen. Eine längere Drawdownphase setzte ein. Wo der Markt vorher noch gnädig die unbewußten Fehler verziehen hat, schlug er nun in aller Härte zu. Jeder Fehler wurde sofort mit einem Abzug vom Konto bestraft und Verunsicherung machte sich breit. Unnötige Trades wurden genommen und irgendwann wusste ich gar nicht mehr, was ich tun sollte. Ich blickte auf den Chart und wo ich noch vor 4 Wochen alles neutral lesen konnte und dann eine Entscheidung getroffen hatte, war nun gähnende Leere. Ich sah NICHTS. Das lag auch daran, dass ich ALLES sah. Ich sah 1.000 Gründe für Long und nochmal 1.000 Gründe für Short. Nun ist es aber so, dass es immer 1.000 Gründe für Long und gleichzeitig 1.000 Gründe für Short gibt, was aber im Falle einer Gewinnserie keine sonderliche Belastung darstellt. Im Drawdown allerdings kommen die Emotionen durch.

Man will nicht verlieren, aber man will das Konto wieder aus dem Tief führen. Ein Widerspruch in sich, weil ich bereit sein muss, zu verlieren, um Gewinne zu erzielen. Hinzu kommt, dass man möglichst schnell wieder da unten raus will. Problem ist aber, dass man nun sehr viel kleinere Positionen handelt und nicht mal eben an einem Tag und mit einem Trade mehr verdienen kann, als in Deutschland Hartz IV gezahlt wird. Man nimmt Gewinne also zu spät oder gar nicht mit und lässt Verlierer in den Verlust laufen. Was man dabei nicht sieht, ist, dass 5x 20€ auch 100€ sind und während man sie auf der Habenseite liegenließ und nicht mitnahm, schlugen sie beim schon geschundenen verbliebenen Handelskapital wie eine Bombe ein. Super. 100€ Verlust statt 150€ Gewinn. Ganz großes Kino.

Was in dieser ganzen Zeit fehlte, war Struktur. In einer solchen Phase muss man sich besinnen und wieder zu sich kommen. Man muss seine Emotionen kontrollieren und wir Menschen wähnen uns immer in Kontrolle, wenn wir Fakten kennen. Also schauen wir uns die Fakten nochmal an, die unser Trading negativ beeinflusst haben und kommen zum Schluss, dass wir uns permanent gegen den Trend gestellt haben in der Hoffnung, dass der Markt dreht und wir damit den großen Gewinn einfahren, der uns wieder aus dem Schlamassel rauszieht und wenn wir in dem Trade dann drin sind, ziehen wir den Stopp so schnell nach, dass wir ausgestoppt werden, bevor der Markt sich richtig entfalten kann und die Post geht danach ohne uns ab und so weiter und so fort.

Und eines muss man sich auch wieder ins Gedächtnis rufen - Kleinvieh macht auch Mist. Gerade bei meinem Ansatz, wo ich 10% meines Handelskapitals pro Trade riskiere. Aktuell ist mein Handelskapital so gering, dass dies nur 0,3% meines Gesamtkapitals entspricht, aber und jetzt komme ich wieder zum Teil mit den Fakten. Wenn ich jeden Tag 1R Gewinn mache (und das ist wahrlich nicht viel), brauche ich 45 Handelstage, um wieder auf neue Equity-Highs zu kommen, denn durch den Zinseszinseffekt der Wiederanlage der Gewinne wächst das Handelskapital auch sehr schnell.

Beispiel:

100€ Handelskapital = 10€ Risiko pro Trade
Annahme - 1R Gewinn pro Tag

1. Tag - 100€ - 10€ Risiko - 10€ Gewinn
2. Tag - 110€ - 11€ Risiko - 11€ Gewinn
3. Tag - 121€ - 12€ Risiko - 12€ Gewinn
4. Tag - 133€ - 13€ Risiko - 13€ Gewinn
5. Tag - 146€ - 14€ Risiko - 14€ Gewinn - 160€ Endstand

1 Woche = 60% Gewinn aufs Handelskapital

6. Tag - 160€ - 16€ Risiko - 16€ Gewinn
7. Tag - 176€ - 17€ Risiko - 17€ Gewinn
8. Tag - 193€ - 19€ Risiko - 19€ Gewinn
9. Tag - 212€ - 21€ Risiko - 21€ Gewinn
10. Tag - 233€ - 23€ Risiko - 23€ Gewinn - 246€ Endstand

2 Wochen = 145% Gewinn aufs Handelskapital

Solche Rechnung muss man sich immer wieder vor Augen führen, wenn man aufgrund eines Drawdowns Probleme hat, vermeintlich kleine Gewinne mitzunehmen, denn 1R ist immer 1R und das hinterhältigste, was sich Broker haben einfallen lassen, war die Anzeige der aufgelaufenen Gewinne in EUR und nicht in Punkten. Denn dadurch verbinden wir mit den Trades einen gewissen Wert - sei es ein Hartz IV Satz, ein Fernseher, ein Kleinwagen oder was auch immer und dadurch werden wir immer zu Fehlern animiert. 1R ist aber immer 1R und 1 Pip bleibt 1 Pip - egal wieviel Geld dahinter steht.

Diese Woche habe ich nicht gehandelt, aber letzte Woche ist es mir gelungen vom 21.12. bis 23.12. je 2R Gewinn mitzunehmen. Mit 2R täglichem Gewinn komme ich dementsprechend schneller wieder ans Ziel.

Ergebnis - mein Trading war wieder sehr viel ruhiger und entspannter und damit auch erfolgreicher. Und wenn ich diese Drawdown-Phase überstanden habe und ich bin überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dann werde ich gestärkt daraus hervorgehen, weil es mir dann bereits zweimal gelungen ist, einen Drawdown von knapp 30% zu überstehen und mich aus einer Situation zu befreien, wo ich durch die Regeln meines Money-Management und meine schlechten Trades in einer Lage war, nur geringes Handelskapital zu haben.

So ist das Money-Management sogleich Fluch als auch Segen. Fluch, weil es Zeit braucht, sich da wieder rauszukämpfen. Segen, weil es meinen freien Fall in meiner schlechten Phase verlangsamt und zum Stehen gebracht hat. Hätte ich die Gewinnschwelle nicht auf 3.500€ anheben können, ich will gar nicht wissen, wo mein Konto jetzt stünde.

Das Wichtigste ist immer der Kapitalerhalt und dieses Money-Management verbindet dies mit schnellem Wachstum in guten Phasen.

Unterm Strich bleiben aktuell 173% Gewinn seit Juli, wobei es in der Spitze bereits über 300% waren. Aber es war zu erwarten, dass es nicht nur aufwärts geht und dass das hohe Risiko auch die ein oder andere Schwierigkeit mit sich bringen würde.

Damit schließe ich das Buch für 2010 (der Beitrag hat ja fast schon Ausmaße eines Romans ) und wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. In 2011 werde ich dann mit wöchentlichen Updates herhalten, wobei das Ganze ab März etwas eintrocknen könnte, weil ich dann meine kleine Tochter in die Kinderkrippe bringe und während der Eingewöhnungsphase wenig Zeit zum Traden haben werde und dann geh ich auch ab Mitte März wieder Vollzeit arbeiten.

In dem Sinne - bis nächstes Jahr
DaBuschi





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Rainbowtrader
30.12.2010 - 20:11 Uhr
Hallo DaBuschi,

das ist ein toller, offener Beitrag von Dir. So mit diesem Thema umzugehen sollte man fast als Pflichtfach einführen: jedem Trader seinen Blog!

Ich werde das mal so festhalten: alle meine realen Trades (Start vermutlich noch im Januar 2011) analysieren und mir anschauen, was dabei passiert. Wenn ich dann mein Handelssystem auf der Spur habe, so dass ich zufrieden damit bin (mit dem System, nicht mit dem Ertrag), dann werde ich auch regelmäßig davon berichten. Ob in Form eines Blogs, das weiss ich heute noch nicht, doch ist das ein sehr schöner Ansatz. Ich wünsche Dir auf jeden Fall den allerbesten Erfolg!

Viele Grüße,
Rainbowtrader
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DaBuschi, trade weiterhin so wie bisher und konzentrier Dich auf deine Tochter. Die Kindergrippe ist der erste große Meilenstein in der Entwicklung. Wirst sehen, jeden Tag macht die Kleine Sprünge dass Dir Hören und Sagen vergeht. Im positiven Sinne gemeint. Nimm Dir Zeit dafür, die Zeit verrennt so schnell und ist unwiderbringlich. Sehe es selbst bei meinen Kindern. Die Kleine ist schon groß, d.h. letztes Jahr im Kindergarten und danach ab in die Schule. Und der Kleine ist auch schon wieder seit 3 Monate in der Kindergruppe unterwegs.

Guten Rutsch, Gesundheit der gesamten Familie und weiterhin viel Erfolg...
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