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Der Eier-Faktor und typische Tradingfehler

Geschrieben von DaBuschi , in Sonstiges 22 Januar 2011 · 300 Aufrufe

Als Anfänger weiß man in der Regel nicht, wie der Markt so verläuft und tickt und macht immer die gleichen Fehler. Aber selbst als fortgeschrittener Trader ist man vor den selben Fehlern nicht sicher. Am Wochenende verarbeite ich meist unbewußt meine Tradingfehler der Woche und manchmal gibt es dann so einen Moment, wo ich alles wieder sehr klar sehe. Das muss dann nicht heißen, dass ich dann ab der folgenden Handelswoche wieder der Alte bin, aber man schlägt sich vor die Stirn und fragt sich, wie man so blöd gewesen sein konnte. Ich denke, viele von Euch kennen das auch.

Als ich heute mit meiner Frau und meiner Tochter auf einem Spaziergang durchs eisige München war, hatte ich wieder so einen Moment, wo mir eigene Fehler klar wurden.

Einstieg VOR der Korrektur

http://img35.imageshack.us/img35/5695/einstiegvorderkorrektur.jpg


Ein typischer Anfängerfehler ist, dann zu kaufen bzw. zu verkaufen, wenn das Bild schon klarer nicht mehr sein kann. Wenn also auch dem Letzten die Marktrichtung klar ist. Das bedeutet meist aber auch, vor allem weil Anfänger noch nicht das Gefühl für den wellenförmigen Verlauf der Märkte haben, dass diese als letzte kaufen bzw. verkaufen. Also der Einstieg, bevor der Markt korrigiert. Das ist mir auch unzählige Male passiert, vor allem auch zuletzt. So blöd wie´s klingt war es hier meine Erfahrung, die mich zu diesen Einstiegen verleitet hat. Denn am Anfang einer größeren Bewegung kommt irgendwann eine Dynamik in der Markt, wo der Einstieg egal ist. Klingt blöd, komm ich aber später noch dazu. Allerdings kann es sehr lange dauern, bis eine solche Dynamik eintritt und oftmals ist das Chartbild bis dahin nicht sonderlich klar. Wenn es klar wäre, wär´s ja auch einfach, oder? So bin ich also oftmals zum Ende einer impulsiven Bewegung im 1min-Chart eingestiegen, die nicht den Beginn eines großen übergeordneten Impulses darstellte, sondern das Ende einer Korrektur. Oftmals nichtmal das, aber mein SL lag dann meist zu eng, um die folgende Korrektur zu überleben. Diese Einstiege sind getrieben von Gier und Unsicherheit - jetzt geht´s los und ich will dabei sein und was, wenn der Kurs dieses Mal nicht zurückkommt. Darauf gibt´s eigentlich nur eine Antwort - wenn der Kurs nicht zurückkommt, dann hab ich eben keinen Trade.

Der Sicherheitseinstieg

http://img502.imageshack.us/img502/4342/dersicherheitseinstieg.jpg


Ein zweiter Fehler ist die Suche nach Sicherheit. Dieser Trade ist schon sehr viel besser als der Einstieg vor der Korrektur, aber es ist ein Einstieg, der auf Sicherheit aus ist und Sicherheit gibt´s im Trading nicht. Jetzt komm ich zum ersten Mal zum Eier-Faktor. Der Trader, der diesen Einstieg nimmt, hat noch nicht genügend Selbstvertrauen. Es braucht nicht sonderlich viel Mut, diesen Trade zu nehmen, weil ich einfach meine Order über das letzte Hoch (gilt natürlich auch für short, aber ich betrachte der Übersichtlichkeit halber hier nur die Longseite) lege und den Markt entscheiden lasse. Eier braucht man erst danach, denn allzu oft geraten diese Trades nochmal unter Wasser. Soll heißen - der Kurs läuft nochmal unter meinen Einstieg und bringt mich damit in Zweifel, ob der Trade wirklich so gut war. Es kommt Unsicherheit auf und das ist eigentlich das, was dieser Trader auf jeden Fall vermeiden wollte. Verdammt aber auch.

http://img814.imageshack.us/img814/383/unsicherheit.jpg


Das Bild zeigt einen möglichen Kursverlauf. Man erkauft sich also vermeintliche Sicherheit auf Kosten von späterer Unsicherheit. Nicht schön, denn durch Unsicherheit macht man Fehler. Es kommt dieses Gefühl auf, dass jeder kennt. Der Trade läuft in den Gewinn und der Markt beginnt zu drehen. Der fortgeschrittene Trader weiß, dass der Markt drehen muss, um höher zu steigen. Aber wie weit darf er zurück kommen? Wir konnten unseren SL noch nicht nachziehen. Teilgewinne mitzunehmen hat sich auch noch nicht gelohnt. Aus einem Gewinner wird ein Verlierer. Das sollte man doch vermeiden oder nicht? Also SL auf BE? Nein, zu früh, wir könnten ausgestoppt werden, bevor der Markt seine Trendrichtung wieder aufnimmt. Dann haben wir zwar nichts verloren aber auch nichts gewonnen. Wir waren doch bereit das Geld zu riskieren, um den Trend zu reiten. Was soll ich tun? Am Ende macht der Markt immer das, was uns am meisten weh tut. Ziehen wir den SL auf BE, stoppt er uns aus und geht dann richtig ab. Tun wir´s nicht, reißt er unseren SL. Was ist das Problem? Das wir mal das eine und mal das andere tun und das nur, weil wir Sicherheit wollten und Unsicherheit bekommen haben und damit handeln wir nicht beständig.

Wie lösen wir dieses Problem jetzt? Ganz einfach, wir wählen den Unsicherheitseinstieg.

Der Unsicherheitseinstieg

Beim Unsicherheitseinstieg hat man zum Zeitpunkt des Einstiegs die größte Unsicherheit, weil wir in die Korrektur des vorhergehenden Einstieges in den Markt gehen und den SL unter das Low des Impulses setzen, der aktuell korrigiert wird. Hier braucht man die Eier (alle weiblichen Trader mögen es mir verzeihen, dass ich mit diesem Vergleich vor allem auf männliche Trader abziele) beim Einstieg. Aber ist man wirklich so viel mutiger, als der Trader, der den Sicherheitseinstieg wählt?

http://img411.imageshack.us/img411/4194/unsicherheitseinstieg.jpg


Warum ist die Unsicherheit hier am größten? Ganz einfach, weil wir gegen den aktuellen Trend in den Markt gehen (aus jeder vermeintlichen Korrekturbewegung kann ein neuer Trend entstehen), denn der Markt läuft aktuell entgegen der Richtung in die wir spekulieren. Es kann dabei durchaus sein, dass unser SL getroffen wird und der Markt erst danach seine Trendbewegung fortsetzt. Im Moment, wo wir den Trade eingehen, gehen wir dieses Risiko aber bewußt ein und rechnen auch damit. Unsicherer als diese Situation, kann es also nicht mehr werden. Und das ist der große Vorteil. Wenn die Unsicherheit nicht mehr größer werden kann, dann kann sie entweder gleich bleiben, was keine Verschlechterung der Situation bedeutet oder aber sie nimmt ab. Deshalb nochmal die Frage - ist es wirklich so viel mutiger, diesen Einstieg zu wählen?

http://img11.imageshack.us/img11/1407/sicherheit.jpg


Nimmt der Markt seine ursprüngliche Trendrichtung wieder auf, kommt unser Trade über Wasser. Wird ein neues Hoch gemacht, sind wir in der Regel schon ordentlich im Gewinn. Sicherheit nimmt also zu. Wir können in aller Ruhe unseren SL nachziehen, Teilgewinne realisieren und den Rest einfach laufen lassen. Und da die Unsicherheit zum Einstieg des Trades am größten ist, können wir keine groben Tradingfehler machen, weil wir in diesem Zustand der Unsicherheit die Entscheidung getroffen haben, das Risiko einzugehen. Von hier an kann es also, wie gesagt nicht schlechter werden, sondern nur besser. Der große Vorteil ist auch noch, dass unser Einstieg im besten Fall auf einem Level passiert, wo der Kurs mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht mehr hinkommt, im Vergleich zum Sicherheitseinstieg. Hier kann man also sogar überlegen, keine Teilgewinne mitzunehmen, dafür aber den SL auf BE zu setzen und den Markt entscheiden zu lassen.

Fazit:

Durch meinen Drawdown, der auch durch Tradingfehler verursacht wurde, wollte ich weniger dumme Trades machen, also mehr Sicherheit bekommen, was am Ende aber zu weiteren Fehlern geführt hat. Langfristig sind hohe Profitfaktoren aber nur zu erreichen, wenn man den Einstieg unter größter Unsicherheit tätigt und das werde ich mir ab jetzt wieder jeden Morgen bewußt machen und mein Trading entsprechend danach ausrichten.

Weiteres Fazit:

Obwohl es auf den ersten Blick so scheint, dass man für den Unsicherheitseinstieg dickere Eier braucht als für den Sicherheitseinstieg, so ist das nur auf den ersten Blick so. Ein genauerer Blick enthüllt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist.

Aber ich hatte am Anfang noch geschrieben, dass es Marktphasen gibt, wo der Einstieg nahezu egal ist. Den Elliott-Wellen-Fans ist dies bekannt als Welle 3

Ich habe mal die aktuelle Bewegung des EURUSD auf dem 1h-Chart seit dem letzten signifikanten Low gezählt und mal die Distanz der Welle 3 gemessen. Hier sieht man schön, wie der Markt sich zu Beginn des Trends immer stückweise hochhangelt und immer wieder zurückkommt, was Unsicherheit daran nährt, dass der Markt wirklich long will. Und dann bricht der Markt mit Dynamik aus und schaut nicht zurück. Die blaue Welle 3 hat hier eine Ausdehnung von Hoch der Welle 1 bis zum Hoch der Welle 3 von 548 Pips erfahren. Das sind die Trades, die wir wollen und die wir mit dem Unsicherheitseinstieg auch bekommen.

http://img140.imageshack.us/img140/7581/welle3.jpg



Abschließend will ich noch auf einige mögliche Kursverläufe eingehen, von denen wir mit dem Unsicherheitseinstieg profitieren können. Das ganze ist sehr vereinfacht dargestellt und läuft im Markt selten so harmonisch ab.

Der optimale Verlauf

http://img407.imageshack.us/img407/7296/deroptimaleverlauf.jpg


Ähnlich wie der EURUSD im oberen Bild, gestaltet sich hier der optimale Verlauf. Wir können den Trend von Anfang an mit reiten und machen mit geringem Risiko große Gewinne.

Der Korrekturverlauf

http://img508.imageshack.us/img508/2610/derkorrekturverlauf.jpg


Anders als beim optimalen Verlauf, dreht der Markt hier in die anderen Richtung ab und stoppt unseren Trade aus. Das hätte im EURUSD oben auch passieren können. Dann würden wir jetzt wahrscheinlich bei 1.2500 und nicht bei 1.3600 stehen.

Aber oftmals bekommen wir auch hier die Möglichkeit Gewinne mitzunehmen. Nach der Elliott-Wellen-Theorie sind Impulsbewegungen immer 5-wellig (teils verschachtelt wie das Beispiel oben) und Korrekturwellen 3-wellig. Wenn wir uns nochmal das Bild des Unsicherheitseinstiegs anschauen, dann haben wir gerade wegen dieser dreiwelligen Struktur oftmals die Chance, Teilgewinne zu realisieren und den SL auf BE zu setzen oder zumindest nachzuziehen, sodaß wir weiteres Risiko aus dem Markt nehmen.

Natürlich verläuft der Markt nicht immer so idealtypisch, aber oftmals tut er das schon und das können wir nutzen. Hierzu sollte sich auch der Thread von @forexlooser angeschaut werden.

marktphasen-vs-einstiegssignale-oder-warum-selbige-unwichtig-sind

Auch zu empfehlen ist sein Tradingjournal zur Markttechnik.

Markttechnik II

Ich hoffe, der Beitrag hat Euch gefallen. Mir hat es jetzt schonmal geholfen, etwas in Worte und Bilder zu fassen, was ich bereits wußte, aber in Phasen der Unsicherheit nicht immer abrufen kann, weil das menschliche Hirn dann auf Flucht geschalten ist. Und wenn wir Menschen auf der Flucht sind, wird alles Wissen in den Hintergrund gedrängt und wir handeln nur noch nach unseren Ur-Instinkten. Deshalb ist Psychologie auch so wichtig im Trading. Wenn wir nicht die Kontrolle über unsere Psyche behalten, machen wir im Trading Fehler und sind zum Scheitern verurteilt.

Viele Grüße
DaBuschi





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Fluxkompensator
23.01.2011 - 08:27 Uhr
BAEM voll ins schwarze.

habe die letzte woche meine einstiege verschlimmbessert nach dem "sicherheitseinstieg" aus deinem beitrag. eben genau wie du beschrieben hast um sicherheit zu bekommen und habe unsicherheit geerntet.

vielen vielen dank fuer diesen mehr als lesenswerten beitrag
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Wahnsinn, was Dir alles einfällt, wenn Du mit Deiner Familie spazieren gehst.
Als ich mit meiner Frau und meinem Sohn gestern spazieren war, REDEN wir miteinander...
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Dein Sohn spricht schon??  ???
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Klasse Beitrag. :welldone:
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Hallo Dabuschi!

Top-Beitrag!

In dem einen Bild (das mit den "grauen" Schlieren rechts) ist - nehme ich an - die SL/TP-Setzung anderer Brokerteilnehmer. Weißt Du ob es soetwas auch für den MT4 gibt? Wie heißt das Teil bei Dir?

PS: Du brauchst Bilder nicht "fremdzuhosten", Du kannst sie auch wunderbar hier hochladen. Wie das geht steht hier:
[url]http://www.forexfabrik.de/allgemein/wie-fuhre-ich-einen-blog-im-forex-forum-forexfabrik/[/utl]
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Ich nehme an Du meinst das Price-Volume-Profile im Bild mit der Wellenzählung.

Das hat nix mit SL/TP zu tun. Hier geht es ums MarketProfile. Es zeigt an, welches Volumen an welchem Preislevel über eine fest definierte Anzahl an Bars (hier 10.000) gehandelt wurde.

Auf diese Art und Weise kann man sehr einfach W/U-Level finden, denn dort wo der Kurs häufig abgewiesen wurde, hat er sich zeitlich und damit auch volumenmäßig selten aufgehalten. Die Wellentäler sind also potentielle Wendepunkte im Chart. Gibt´s auch für MT4. Musst mal nach Market Profile und MT4 suchen. Da sollte sich was finden lassen.

Danke für die Info wegen dem Bildupload in der Fabrik.
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Haaa, der war gut.
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