Hi Hasardeur,
Beim Trading gibt es ja viele Varianten, die zum Weg führen können. Vom Swing Trading bis hin zum Scalping. Beim Scalping hingegen besteht tatsächlich die Gefahr des Over Tradings, ich versuche
es mal praxisbezogen und die damit psychischen Zusammenhänge zu erklären.
In deinem Falle sprechen wir von Extrem Scalping, da ist man in kleinen Zeitfenstern (1min und Tick Chart) unterwegs und versucht aus jeder Kursschwankung Profit zu schlagen.
Beim Extrem Scalping versucht man jede noch so kleine Bewegung auszunützen und arbeitet zusätzlich mit sehr engen Stops oder sollte man zumindest. (die wenigstens Scalper tun es aber)
Dem Scalper ist es ja eigentlich egal wie die aktuelle Marktsituation ist, ob wir uns in einem Trend befinden oder in einer Korrektur, interessiert den Scalper eigentlich gar nicht, denn er handelt
nur sehr kurzfristig und will jede Gelegenheit ausnützen. Dabei kann es gut möglich sein, dass man einem einzigen Handelstag schnell mal 30 Trades und mehr absetzt und somit schnell mal einen netten Betrag zusammen hat.
Die Gefahr die beim Scalping besteht, ist, dass man nach einigen Gewinn Trades schnell mal in Euphorie gerät und gierig wird. Das Problem während einigen Gewinn Trades ist ausserdem, dass man
das Gefühl hat den Markt bestimmen zu können, weil man sich halt durch die Gewinn Trades bestätigt fühlt und dies führt leider in den meisten Fällen zur Selbstüberschätzung.
In solch einer Phase ist es unmöglich klar zu denken und das richtige im richtigen Moment zu tun. Denn die emotionalen Faktoren, wie Euphorie, Gier & Selbstüberschätzung werden dir im Weg stehen,
um bei einem Fehltrade die Notbremse zu ziehen und aus dem Markt rauszugehen und den Markt, Markt sein lassen.
Durch die Bestätigung der Gewinn Trades ist man durch die damit zusammenhängenden emotionalen Faktoren dermassen beeinflusst, dass man das Gefühl hat, immer richtig zu liegen und wenn dann
der Hammer kommt, ist man nicht fähig richtig zu reagieren. Man ist nicht in der Lage zu seinen eigenen Fehlern zu stehen und man will es dem Markt regelrecht beweisen, dass man richtig liegt und
man lässt die Position oder den Fehltrade solange laufen, in der Hoffnung, dass man doch recht behält. Es kann zwar ein paar mal gut gehen, aber in den meisten Fällen wird der Markt siegen und man
steht als Verlierer da. Denn genau dieser einzige Trade, bei dem man durch die dadurch resultierenden Emotionen beeinflusst wurde, kann beim Scalping schnell mal die ganzen Gewinn Trades vernichten.
Dabei können schnell mal noch mehr emotionalen Faktoren dazu kommen wie Angst & Hass und man fühlt sich in der Traderwelt verloren und setzt einen Hilfeschrei ab und versteht eigentlich nicht, was man falsch gemacht hat, es lief ja so gut. Aber dafür sind wir aus der Forexfabrik ja da, Ratgeber und Seelensorger

Beim Extrem Scalping besteht die Tendenz nicht dem Trend zu folgen, sondern man handelt meistens gegen ihn, resp. die Korrektur. Weil man sich aber auf kleinere Zeitfenster fokusiert, ist es auch schwierig
einen vorliegenden Trend oder Korrektur zu identifizieren, denn man handelt sowie den Trend oder die Korrektur, obwohl man eigentlich gar nicht weiss, was man denn im Moment handelt, hauptsach man ist dabei.
Deshalb wäre es von Vorteil noch ein höheres Zeitfenster hinbeizufügen um immerhin einen Überblick zu haben und die dazugehörige Handelsspanne anhand wichtigen W&U Linien herausfiltern zu können. Denn da kannst du immerhin den Trend identzifizieren und in deren Richtung scalpen und widerrum hast du auch die Chance die Korrekturphase zu scalpen. Dabei wäre sicher nicht schlecht, das Elliot Wellen Prinzip hinzuzufügen.
Nehmen wir z.b. an, es liegt ein LONG Trend vor, man scalpt in deren Richtung und nach einigen Gewinn Trades kommt eine Korrekturphase und man erkennt dies frühzeitig und passt sich an und shortet was das Zeug hält. Dabei weiss man gar nicht, dass es aktuell eine Korrekturphase ist und shortet und shortet und macht reichlich Gewinne. Die Korrekturphase scheint sich dem Ende zu fügen, aber man shortet immer noch und siehe da, der Trend setzt sich fort und geht bis zum letzten Hoch nur sieht man dass nicht im 1min Chart, man wird meinen, eine gute Gelegenheit nochmals massiv zu shorten. Aber genau
da ist ein W und bei Trendfortsetzung wird diese brechen und neue Hoch's suchen. Da bei einem Bruch des letzten W oder des neuen Hoch's immer mit starken Ausbrüchen zu rechnen ist, kann es schnell mal
50 - 60 Pip's in eine Richtung gehen. Dabei ist man mit seiner Short Position verloren und lässt laufen in der Hoffnung der Kurs kommt nochmals zurück. Das könnte in deinem Falle der Fehltrade sein, der alle
anderen Gewinntrades vernichtet.
Das ist jetzt nur mal so kurz ein Beispiel, es gibt noch tausend andere. Deshalb ist zu empfehlen, noch mind. ein höheres Zeitfenster herbeizufügen um sich so den Überblick über das aktuelle Chartbild zu verschaffen um gegen böse Überraschungen vorzubeugen.
Scalpen kann zwar gut sein, aber ist halt je nach Menschentyp unterschiedlich. Beim Scalping muss man blitzschnelle Entscheidungen treffen und mental sehr stark sein und wer den Kick braucht und Action will,
fährt mit Extrem Scalpen sicher gut. Falls du dich dafür entscheiden solltest, musst du dich selber kennenlernen und ganz wichtig Grenzen zu setzen um zu wissen wann genug ist.
Dein neues Phänomen, dass du beschrieben hast, ist für den angehenden Scalper nichts neues und gehört in der Entwicklungsphase dazu. Solange du aber dass mit dem Fehltrade im Nacken sitzen hast,
wirst du keine Chance als Scalper haben, denn du wirst wegen der ANGST nicht fähig sein emotionslos zu handeln. Dieser Fehltrade, von dem alle Scalper Angst haben, ist wie eine tickende Zeitbombe, man
bemüht sich so sehr um Gewinne zu machen und man lebt immer in der Angst, dass der Fehltrade aufeinmal zuschlagen könnte und alles vernichtet.
Wenn du wirklich ein Scalper werden willst, dann musst du "diesen" Fehltrade, der alles vernichtet bekämpfen und ihm keine Chance geben, denn dann bin ich sicher, dass du als Extrem Scalper gute Chancen haben wirst.
Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.
Viele Grüsse,
Peki