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Der Forexhandel des Uli Hoeneß

Forex Hoeneß Handel

Uli Hoeneß ist berühmt geworden. Zum einen durch seinen Einsatz als Präsident des erfolgreichsten deutschen Fußballvereins FC Bayern München, zum anderen durch seine – in letzter Zeit sehr häufige – Präsenz in den Medien: Er hat Steuern hinterzogen und wurde nun in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt.
Angefangen hat es durch eine Überweisung im Jahr 2001: Der inzwischen verstorbene Adidas Chef Robert Louis Dreyfus überweist für Uli Hoeneß 20 Millionen DM (10,23 Millionen Euro) auf ein Konto bei der Schweizer Bank Vontobel.

Gedacht ist das Geld „zum Zocken“. Und zwar an der Börse, wie es ursprünglich hieß. Eine überaus nette Geste von gelebter christlicher Nächstenliebe. Schon hier könnte der aufmerksamen Leser stutzig werden, und nachhaken: Wo ist denn da die Gegenleistung? Haben Sie schon jemanden jemals Geld überwiesen, nur so zum Zocken (gut, eigene Kinder mal ausgenommen)?

Anfänglich machte der als Saubermann und Moral-Apostel (man erinnere sich nur an den Umgang von „Uli“ mit Christoph Daum!) bekannte Herr H. Gewinne. Das geschah mit vollen Einsatz: Tag und Nacht soll er an der Börse gezockt haben.

Aha. Es gibt (oder gab in dem Zeitraum 2002-2006) nicht viele Märkte, die ein 24-Stunden Handel ermöglichten! Langjährige Mitglieder der Forexfabrik.de ahnen, wohin die Reise geht und womit der Uli Hoeneß „gezockt“ haben könnte…

Richtig deutlich werden kleinere Details im Vorfeld zum und während des Gerichtsverfahrens im März 2014. Denn dazu kam es leider, weil Herr H. weder Gewinne, noch Verluste bei der Steuer angegeben hatte. Insider nennen das lapidar Steuerhinterziehung.

Dateianhang: 1024px-Uli_Hoeneß_2745.jpg

(Das Bild* zeigt Uli Hoeneß im Münchener Ratshaus, 2013)

Vermutlich hatte Herr H. auch vor, seine Geschäfte zu versteuern, zumal die Schweiz und Deutschland im August 2011 ein Steuerabkommen eingehen wollten, dass die Nachversteuerung des in der Schweiz gebunkerten deutschen Vermögens ermöglicht hätte, leider wurde dieses Abkommen im November 2012 vom deutschen Bundesrat abgelehnt.

Im Januar 2013 wird Herr H. – offenbar durch einen Angestellten der Bank Vontobel – darüber informiert, dass Journalisten der Zeitschrift Stern über „ein Konto eines großen deutschen Fußball Funktionärs“ im Hause Vontobel recherchieren. Am 16. Januar wir die Geschichte vom Stern-online veröffentlicht und am 17. Januar erreicht dem Finanzamt Rosenheim eine Selbstanzeige eines Herrn Hoeneß. Ein fast perfektes Timing – aber leider nur fast.

Im Laufe der Untersuchungen durch das Finanzamt und der Staatsanwaltschaft (inklusiver einer Hausdurchsuchung) werden Tröpfchen für Tröpfchen Einzelheiten der Geschäfte publik: Augenscheinlich hat Herr H. sein Herz an den Devisenmarkt (auch Forex genannt) verloren.

Es wurden wohl mehrere Tausend Transaktionen pro Jahr pro Jahr getätigt. Und wir reden Hier nicht von einem arbeitssuchenden oder Selbstständigen, dem man unterstellen könnte, er hätte die Zeit dazu. Nein, wir reden hier von einer Person des öffentlichen Interesses! Einer Person, der einem Fußballklub der ersten Bundesliga vorsteht, eine Fleischfabrik leitet und auch sicherlich auch andere repräsentative Aufgaben übernehmen musste oder wollte.

Damit dürfte er wohl in seiner spärlichen Freizeit wohl im Minutentakt die Millionen bewegt haben. Es soll Tage gegeben habe, da hat er dreistellige Millionenbeträge eingesetzt!

Das von ihm bevorzugte Währungspaar war wohl USD/JPY, und zu Spitzenzeiten soll sein Kontostand um die 150 Millionen erreicht haben – Plus wohlgemerkt! Nicht schlecht, was man aus anfänglich 10 Millionen machen kann – wäre aber auch ein Hinweis auf ein typischen Anfängerfehler: Ein total überhöhter Hebel.

Der „Schlamper“ (O-Ton Franz Beckenbauer über Uli Hoeneß) begann ab 2006 wohl auch den Überblick über seine Devisengeschäfte zu verlieren. Nun ja, kann ja schon mal passieren, wenn man dem größten und erfolgreichsten Fußballverein vorsteht – da kommt man mit den Millionen schon mal schnell durcheinander….

Wer sagt denn, daß man als ein Vereinspräsident von Profi-Fussballern Ahnung von Buchführung haben muß?

Aber auch das ist ein typischer Anfängerfehler: Mangelnde Disziplin bei einer peniblen Buchführung. Profis reden da gerne von „Trading-Tagebücher“ oder „Trading-Logbücher“, in denen jeder Trade aufgezeichnet werden sollte, um Trades rückblickend zu analysieren. Auch oft hinsichtlich der Fragestellung „Warum habe ich dort Geld verloren? Was war mein Fehler?“.

Wer das nicht macht, ist wirklich nur ein Zocker – und sollte sich nicht wundern, wenn er unter die (Markt)Räder kommt!

Während der Gerichtsverhandlung hat Herr H auch nicht sehr viel über seine Anlage/Handelsstrategie verraten. Ist evtl. auch besser so, denn offensichtlich war diese nicht sehr erfolgreich. Dennoch sollten sich Anfänger mit diesen Thema befassen: wie gehe ich überhaupt vor, um Einstiegs- und Ausstiegssignale zu erhalten?

In nur zwei Jahren hat Herr H. Gewinne geltend gemacht: 2003 knapp 52 Millionen und 2005 ca. 78 Millionen. Da drängt sich dem Fachmann natürlich die Frage auf: Wo war das Risiko- und Geldmanagement?

Auch hier: Fehlanzeige – zumal die Anwesenheit eines Vermögensverwalters ebenfalls fehlte. Beides fahrlässig, bei Summen dieser Größenordnung, und ein Anzeichen mehr, dafür das hier leider wirklich nur „gezockt“ wurde….

Dem „Otto Normalverbraucher“ stehen natürlich die Haare zu Berge: Wir, die morgens aufstehen, hart für unser Geld arbeiten, 40-50 Jahre lang und das nur um – vielleicht (!) – unseren Kindern mal ein (inzwischen wieder baufälliges) Haus hinterlassen zu können, muss zusehen wie jemand der ohnehin schon genug Geld durch seine Tätigkeit verdienen dürfte, gierig mehrere Millionen „einfach nur verzockt“.

Der „Forex Normaltrader“ rauft sich die Haare: Hier wurden grobe Anfängerfehlerfehler gemacht und mehr noch: es wurde nichts gelernt. Und das mit Summen, von denen wir nur ein Bruchteil davon (im Promillebereich) unser Tradingleben hinterherjagen.

Abgesehen vom Gerichtsurteil und dem ganzen drum herum, erhält die Geschichte einen bitteren Beigeschmack: Es drängt sich der Verdacht auf, hier wurde wirklich „nur gezockt“. Nicht nur mit dem Markt, sondern auch mit den Summen, dem Gericht und der Steuer.

Damit hat Uli Hoeneß sich keinen guten Gefallen getan: Ja, Uli Hoeneß ist berühmt geworden! Er hat aber auch gezeigt, wohin Gier führen kann.

Leider hat er den hierzulande fast unbekannten Forex-Markt ebenfalls zu einer negativen Popularität verholfen. Zudem kann sich jetzt jeder Trader nun sicher sein, daß sein zuständiger Steuersachbearbeiter beim auftauchen des Begriffes "Forex" in der Steuererklärung erstmal kurz zusammenzuckt, bevor er nun noch genauer hinschaut!

Es bleibt abzuwarten, ob und wie viele Details in einer Revisionsverhandlung noch veröffentlicht werden.


* (Foto mit freundlicher Genehmigung von Harald Bischoff, Quelle: Wikimedia.org,
Link: http://commons.wikim...oeneß_2745.jpg)
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Über Divecall

Mein Name ist Peter Schüler (Jahrgang 1969) und ich bin der Gründer der Forexfabrik.de. Leider läßt mein aktueller Zeitrahmen ein aktives Trading mit einem Real-Konto nicht zu, von daher beschäftige ich mich z.Z. mit gelegentlichen Demo-Trading, da ich mit der Erstellung von Inhalten für die Forexfabrik voll ausgelastet bin...


3 Kommentare

einfach mal DANKE!!! für diesen saugeilen kommentar. die frage die ich mir stelle ist: hat er wirklich nur devisengeschäfte getätigt? wäre nicht ein insiderhandel in adidas & vw & allianz nicht viel lukrativer gewesen? hat er das urteil akzeptiert um nachvorschungen in diese richtung zu verhindern?

warum haben die chefs dieser firmen zu ihm gehalten als er schonals steuerhionrterzierher(nach eigener aussage) feststand?

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Nunja. Inzwischen wurde die Revisionsverhandlung von Hr. H. selbst abgelehnt - böse Stimmen aus dem Volk sehen als Ursache dafür durchaus die Angst vor der Veröffentlichung weiterer, unangenehmer Einzelheiten! Sollte die Staatsanwaltschaft keine Revision einlegen - was ebenfalls möglich und ihr gutes Recht ist - dürften wir mögliche Details nie erfahren...Shit happens!

Die Seite hat einen Fehler. Er steht keiner Wurstfabrik vor. Er hat die Wurstfabrik mit einem Freund zusammen aufgebaut und sein Sohn hat bereits seit Jahren die Leitung inne.

 

Aus dem Artikel lässt sich viel Häme rauslesen, aber was ich beeindruckend finde, dass er so aktiv im Trading involviert war und den FC Bayern dennoch in die jetztigen Sphären geführt hat. Nicht auszumalen, er hätte seine ganze Energie nur dem FC Bayern gewidmet.

 

Weiterhin hast Du vergessen, dass er auch noch die Dominik-Brunner-Stiftung gegründet hat :)

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