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Risikomanagement / Risk Of Ruin

Moneymanagement; Risk of Ruin Pleiterisiko Trading Grundlagen Risikomanagement

Wenn man sich mit professionellen Tradern unterhält, dann fällt sehr schnell auf das man sich in diesen Kreisen auf völlig andere Dinge konzentriert als es wohl die meisten Anfänger und auch schon fortgeschrittene Trader vermuten würden.
Und Punkt 1 auf der Liste der wichtigen Dinge ist ganz klar und eindeutig: Risikomanagement.

Warum? Ein Trader ist ein Risikomanager. Du bist ein Risikomanager. Punkt. Das ist deine wichtigste Aufgabe.

Risikomangement. Genau das, worum die meisten einen großen Bogen machen oder es nur halbherzig betreiben. Und das dürfte einer der großen Gründe dafür sein warum so viele Trader Geld verlieren. Viele denken tatsächlich es kommt auf die Strategie an oder auf das Handelssystem und sind regelrecht süchtig danach, dort die Stellschrauben des Erfolges zu suchen.

Weit gefehlt. Sehr weit gefehlt.

Neben dem Moneymanagement sind noch zwei andere Themenbereiche bei den Profis im Fokus: Handelssystematik und Psychologie, aber wenn es überhaupt mal um Systeme und Strategien geht, dann wirklich nur am Rande; quasi eher im Sinne von Smalltalk.

Nun ist das Thema Moneymanagement zwar relativ einfach, aber dennoch umfangreich. Ich möchte mich in diesem Artikel auf eine einzige Kennzahl beschränken. Die wichtigste Kennzahl überhaupt, über die jeder Trader laufend informiert sein sollte. Sie ändert sich im Laufe der Zeit, die meisten Profis stellen diese Kennzahl wöchentlich fest, einige nur monatlich.

Diese Kennzahl ist der „Risk of Ruin“, oder auch das „Pleiterisiko“.

Kennst Du dein persönliches Pleiterisiko? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Denn wenn Du ein Pleiterisiko hast das größer ist als 0 %, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis Du dein Konto vernichtest.

Hier geht es um mathematische 0%, also alles was unterhalb von 0,5 % ist wird abgerundet. Eine glatte Null ist natürlich nicht zu erreichen. Alles unter 0,5 % ist in Ordnung.

Wer mit Zahlen nicht auf Kriegsfuß steht kann sich diese Kennzahl selber ausrechnen, aber es gibt auch Tools dafür.

Für die Berechnung brauchen wir unsere statistische Trefferquote. Die Trefferquote kann im z.B. im Devisenhandel, Aktienhandel und Rohstoffhandel recht hoch sein, 60-70 % sind dort mit genügend Erfahrung relativ konsistent zu erreichen.

Sofern die Trefferquote über 70 % liegt wird in der Regel ein zu kurzer Zeitraum betrachtet oder das Moneymanagement ist fehlerhaft. Das ist leicht daran zu erkennen, dass bei sehr hohen Trefferquoten immer nur kurze Zeiträume dargestellt werden oder Verlusttrades durch kleine Tricks ausgefiltert werden. Dies dient immer Marketingzwecken (z.B. Verkauf von Handelsrobotern, Seminaren…) und hat mit richtigem Trading wenig zu tun. Natürlich gibt es Ausnahmen, so habe ich zum Beispiel beim Trading von einigen Preismustern Trefferquoten von zum Teil weit über 80%, berechnet über einen Zeitraum von vielen Jahren. Aber hier geht es um die Regel, nicht um die Ausnahme. Jede Statistik hat ihre Ausreißer und auch ihre Schwächen.

Im Futureshandel ist die Trefferquote deutlich geringer und liegt bei den Profis meist bei etwa 40%.

Daher kostet der Umstieg von z.B. Devisenhandel auf Futureshandel sehr vielen Tradern den Kopf da die aus diesem Grund unbedingt notwendige Umstellung des Moneymanagements nicht beachtet wird.

Die Trefferquote ist daher ein unwichtiger Faktor im Trading und wird lediglich als Kennzahl im Moneymanagement berücksichtigt. Die Trefferquote ist zwar eine der Stellschrauben für das Risikomanagement, jedoch weitaus unwichtiger als andere Stellschrauben da sie ein mathematisch unscharfer Faktor ist.

Ich erkläre das Pleiterisiko zunächst anhand eines Beispiels mit einfachen Zahlen. Unser Beispieltrader Franziska handelt ein System, mit dem sie eine Trefferquote von 56% erzielt, hat eine Accountgröße von 10.000 Euro und geht als extrem risikofreudiger Mensch pro Trade ein Risiko von 20% (also 2000 Euro) ein. Damit wären bei der derzeitigen Kontogröße 5 Verlusttrades in Folge notwendig bis zur Pleite ( = 5 Geldeinheiten auf dem Konto ).

Pleiterisiko = ((1 - A / 1 + A))U

A=Trefferquote-Verlustquote
U=Anzahl der Einheiten die man verlieren kann


Oder:

Dateianhang: rechnung 1.jpg

W= Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes
L= Wahrscheinlichkeit eines Verlustes
U= Anzahl der verfügbaren Geldeinheiten

Dateianhang: rechnung 2.jpg

Damit wäre in unserem Beispiel ein Pleiterisiko von 30% gegeben. Zur Erinnerung: Ein Pleiterisiko von über 0% ist die Garantie dafür, dass unsere Traderin Franziska sich ruinieren wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Stellschrauben für das Pleiterisiko sind:
  • Reduzierung von Risiko pro Trade
  • Verbesserung des Verhältnis von Gewinn zu Verlust
  • Erhöhung der Trefferquote
Wenn wir das Risiko pro Trade im oben genannten Beispiel auf 1000 Euro pro Trade, also 10 Geldeinheiten halbieren, sinkt das Pleiterisiko von 30% auf 9%. Wenn wir das Risiko pro Trade auf 500 Euro senken (20 Geldeinheiten) liegen wir bereits bei 0% Pleiterisiko.

Eine leichte Verbesserung des Gewinn-Verlust-Verhältnis ist eine weitere Stellschraube:

Bei einem Verhältnis von 1:1 (z.B. häufig beim Scalping) haben wir ein durchschnittliches Pleiterisiko von 64%. Bei einem Verhältnis von 1:1,3 sind es noch 21%, ab 1:1,5 sind es 0%. Wie gesagt, im statistischen Mittel.

Eine Erhöhung der Trefferquote zu fokussieren ist ein untergeordnetes Mittel und sollte umsichtig und nur mit ausreichender Erfahrung erfolgen. Das Risiko dabei ist, seine Handelssystematik zu zerstören und damit das Gegenteil zu erreichen.

Die wichtigsten Stellschrauben sind also die Positionsgrößenbestimmung (Risiko pro Trade) und Verbesserung von Gewinn-Verlust-Verhältnis.

Bezüglich letzterem sei gesagt, dass Profis keine Scheu haben, sich schnell von Verlusttrades zu trennen und niemals auf die Hoffnung setzen dass „der noch dreht“ weil ja X und Y dafür spricht (psychologische Falle)

Entweder er läuft zügig in die richtige Richtung, oder aber er wird mit möglichst kleinem Verlust entsorgt.

Auf der anderen Seite dürfen die Gewinner laufen und werden nicht zu früh geschlossen, z.B. aus Angst vor Kursrücksetzern.

Auch wenn das Pleiterisiko ein statistisches Konstrukt ist, so ist es doch eine der wichtigsten Kenngrößen für das eigene Trading. Alles über 0,5 % darf nicht akzeptiert werden!

Und wenn ich Dich sozusagen mitten in der Nacht wecke und nach deinem Pleiterisiko fragen würde, dann solltest Du es sofort benennen können.

Hier (LINK) ist noch ein Link zu einem Rechentool für das Pleiterisiko.




Herzlichen Glückwunsch!

Du hast eine wichtige Lektion für deinen Erfolg gelernt! Wenn es auch nur eine von sicher noch etwa 100 weiteren Lektionen für das Moneymanagement ist, so ist das Pleiterisiko zu verstehen und zu kennen doch eine der wichtigsten Lektionen überhaupt.


Ich wünsche Dir allzeit gute Trades!

© 2016 @ forexfabrik.de / Scusi

  • frlaspina, Tradergirl, forexfreak und 4 anderen gefällt das


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Über Scusi

Trading aus Leidenschaft für die Märkte, nicht professionell. Schwerpunkte Structure Trading / Analyse und Trading-Psychologie. Im "wirklichen Leben" Therapeut, Coach und Trainer.


3 Kommentare

Och manne, musst du alles verraten... ;)

Schöner Artikel! WOW! Danke dafür....

Danke, wieder was dazu gelernt!



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