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Auf der Suche nach dem Heiligen Gral


Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

Wenn ich auf die Anfänge meiner Tradingkarriere schaue und auf den danach folgenden Weg, dann muss ich innerlich grinsen.
Ein Börsenspiel hat mich zu den Finanzmärkten gebracht, von denen ich so viel Ahnung hatte wie das sprichwörtliche Schwein vom Fliegen.
Zwei oder drei Artikel gelesen, einige Zeitschriften und schon hatte ich das Gefühl, die Märkte zu meistern, denn immerhin hatte ich einige
Börsenexperten ausfindig gemacht und mich nach ihren logisch nachvollziehbaren Ratschlägen gerichtet. Bis zum Totalverlust.


Durch die folgende Analyse waren die ersten Leitsätze geboren, unter anderem der „Glaube keinem Experten“.

Erst viel später fand ich heraus, das die sogenannten „Experten“ in jedem Gebiet - sei es in der Wirtschaft, in der Politik oder
in der Wissenschaft – zu 95% keine Ahnung haben von ihrem Fachgebiet.
Weiter fand ich heraus, dass es ganz gut ist, immer das Gegenteil von dem zu tun, was die „Experten“ empfehlen.
Zumindest steigt damit die statistische Erfolgswahrscheinlichkeit schon mal dramatisch. Aber auch das war nicht zufrieden stellend.

Und dann begann sie. Die große Suche nach dem Geheimnis, dem Heiligen Gral, der mit Sicherheit unbegrenzte Gewinne verspricht.

Das war eine ziemlich wilde Zeit, denn schon vor 15 Jahren wurde man von findigen Geschäftemachern auf bunten Internetseiten oder in
Zeitschriften mit allerlei Versprechen geködert. Je bunter und komplizierter desto besser. Manchmal waren die Charts so voll mit diesem
ganzen tollen und innovativen Zeug, das man den eigentlichen Kurs nicht mal mehr sehen konnte.

Und wie sollte es anders sein - hunderte von Systemen, Strategien, Indikatoren und deren Kombinationen sowie automatischen Handelssystem später …
...habe ich natürlich das nächste Konto an die Wand gefahren. Aber wir geben ja nicht auf.

Zu meinem inzwischen ohnehin schon stattlichen Regelwerk kam also unter anderem noch hinzu: „Halte Dich von Indikatoren und automatischen Handelssystemen fern!

Vielleicht können Sie diesen oder einen ähnlichen Frust auch erinnern.
Aus diesem Frust heraus kam der in der Rückschau wesentliche Schritt: Ich habe diesen ganzen Müll gelöscht und weggeworfen.

Der Frust war natürlich nicht der einzige Grund für diesen Schritt, denn das Leben außerhalb des Tradings hatte mich derweil nicht nur in die Bereiche der systemischen Psychologie geführt, sondern auch hinter die Kulissen einiger großer Unternehmen in der Wirtschaft blicken lassen, wo ich live und in Farbe die Manipulation – oder sagen wir besser „vielschichtige veräppelung“ – der Endkunden, der Aktionäre und auch der oben genannten „Experten“ erleben konnte, die ja so unabhängig sind. Was für ein abartiges Spiel, aber während man in diesem Spiel mitspielt – was ich zugegebenermaßen eine Weile getan habe – kommt einem das gar nicht so vor. Auf jeden Fall erwuchs hieraus unter anderem die Erkenntnis, warum „Experten“ meist gar keine Ahnung haben können.

Der weiterführende Gedanke, nämlich das es den Journalisten der Medien genau so geht führte dann zu der Frage, worauf zum Teufel man sich denn dann stützen kann?

Leicht desillusioniert begann eine Phase, die ich als „eher gelangweilte Suche nach dem Wesentlichen im Trading“ beschreiben würde.

Während dieser Zeit habe ich mich hauptsächlich mit Trading-Psychologie beschäftigt, und mit Kolleginnen und Kollegen die bereits bestehenden Formate auseinander gepflückt und neu zusammengesetzt, da nach übereinstimmender Einschätzung erfolgreicher Trader der Schlüssel zum Trading-Glück zu mindestens 80% aus Psychologie besteht.
Ich gehe da heute eher von 90% aus. Die systemische Betrachtung wirtschaftlicher und psychologischer Zusammenhänge zeigte immer deutlicher,
dass die meisten Indikatoren und Handelssysteme wenig Sinn machen, da sie nicht einfach von Trader X auf Trader Y aufmodelliert werden können.

Ein befreundeter Trader in den USA, mit dem ich diese ganze Thematik (das war 2006) besprochen hatte lächelte mich verständnisvoll an, nahm mich mit an seinen Arbeitsplatz, deutete auf seine Bildschirme und sagte mir „Das was du hier siehst, ist alles was Du brauchst.“

Und was war auf den Screens?
Neben der Handelsplattform, die nicht wesentlich ist, waren dort natürlich Charts.
Und in den Charts war der Kurs.
Und sonst…

nichts.


Ich erinnere noch gut, dass ich einigermaßen überrascht eine Weile gedankenverloren auf die Kurse geschaut habe und ab und zu eine Frage gestellt habe, nach Newsfeeds, nach dem Wirtschaftskalender, Indikatoren und so weiter. Immer die gleiche Antwort: „Useless.“ - Nutzlos.

In der Folge zeigte er mir, was genau er tut. Und es wurde immer deutlicher, dass alle Informationen, die man braucht, im Kurs enthalten sind.
Natürlich, jeder Indikator hat auch keine anderen Informationen als den Kurs und stellt ihn nur anders dar. Jede Nachricht ist bereits im Kurs enthalten, in der Regel schon bevor sie veröffentlicht wird...

Er hat sich einige Stunden Zeit genommen und so ging ich mit einem Notizzettel nach Hause, der letztendlich bewirkt hat, dass ich mit meinem Trading nicht mehr auf der Suche bin, sondern eher so wie „angekommen“.

Heute benutze ich maximal zwei relativ alte Indikatoren, die den mathematischen Marktgesetzen entsprechen, wenn überhaupt. Jeden neuen Indikator, jedes Handelssystem und jede Strategie die mir unter die Finger kommt schaue ich an und lege sie in 99,99% der Fälle wieder beiseite.

Und was trade ich heute?
Ein Set von Preismustern aus dem Harmonic Trading und gelegentlich die ein oder andere simple Strategie, die für mich die Grundgesetze der Märkte wiederspiegelt.

Daher bin ich zu 80% im Forex gelandet, denn im Gegensatz zu anderen Finanzmärkten folgt dieser meist sehr stur seinen systemischen Gesetzen, einige Rohstoffe tun dies ebenfalls. Aber nach wie vor ist das Trading für mich ein Hobby. Um es hauptberuflich zu betreiben ist es mir ehrlich gesagt zu langweilig, meine Berufung liegt in anderen Gebieten.

Der Grund, warum ich diese Zeilen schreibe ist schlicht und ergreifend, um den Einsteiger auf etwas aufmerksam zu machen.

Und zwar darauf, dass es keinen Heiligen Gral gibt, keine zauberhaften Indikatoren, EA’s oder was auch immer.

Wie viele haben 10 oder 20 Jahre ihrer Tradingzeit damit verschwendet, nach so etwas zu suchen.

Es gibt Gesetzmäßigkeiten und allgemeine systemische Regeln. Keep it simple. Das "simple" ist nicht ganz so einfach wie es klingt, denn es setzt unter anderem die beschriebenen Erkenntnisse voraus. Und unter "Keep it simple" wird ja in der Regel nur die Strategie oder der Handelsansatz verstanden, was ja grade mal 10% der Miete ist. Die restlichen 90%, die Psychologie oder auch persönliche Kompetenz wird in der Regel entweder missachtet oder mit dem Versuch gewürdigt, sich an einige psychologische Regeln zu halten, die irgendwo an der Pinnwand hängen.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und einen guten Weg und mögen auch Sie mit ihrem Trading „ankommen“.


Good trades, good life !

Copyright @ www.forexfabrik.de

  • benitojuarez, kreto2009, forexfreak und 9 anderen gefällt das


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Über Scusi

Trading aus Leidenschaft für die Märkte, nicht professionell. Schwerpunkte Structure Trading / Analyse und Trading-Psychologie. Im "wirklichen Leben" Therapeut, Coach und Trainer.


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