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Psychoquatsch und so Zeug

Psychologie Grundlagen Neurobiologie

Welches deiner Gehirne benutzt Du überhaupt für das Trading? Eine scheinbar merkwürdige Frage. Aber legen wir noch ein Brikett drauf: Benutzt Du dein Gehirn oder benutzt dein Gehirn Dich? Und überhaupt: Was ist mit dem Rest? Also mit dem Körper und so? Kann man den beim Trading gebrauchen? Wir haben alle einen Körper dabei, man weiß ja auch nicht so genau wofür – aber er ist nun mal da…
Fangen wir doch mal an der Basis an. Braucht man bestimmte „Anlagen“ bzw. sind diese hilfreich oder hinderlich? Gibt es gar ein „Trading-Gen“?

Die Frage ist schnell beantwortet. Im Jahr 1990 begann das internationale „Human Genome Project“ mit dem Ziel, das menschliche Genom vollständig zu entschlüsseln. 13 Jahre später wurde das Projekt wieder beendet. Offiziell als erfolgreich deklariert, denn es hat ja sehr viele Steuergelder verschlungen.

Tatsächlich hinterließ das Projekt allerdings frustrierte Wissenschaftler, denn das große Paket was sie geöffnet hatten, hatte überraschend wenig Inhalt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das menschliche Genom hat nicht mehr Gene als ein Regenwurm und unterscheidet sich auch nur zu weniger als 0,5% überhaupt vom Affen. Es gibt tatsächlich kaum etwas her. Bis auf einige Ausnahmen die man an einer Hand abzählen kann und auch nicht wirklich interessant sind (ein paar einfache Defekte) finden sich dort weder Erklärungen für all die angeblich „vererbbaren“ Krankheiten geschweige denn für sonstige Merkmale der Persönlichkeit.

Dabei hatte man gehofft, so viele Erklärungen zu finden für Krankheiten, Intelligenz, Verhalten… zumindest hat man entdeckt, dass die Gene mit all dem nichts zu tun haben, aber das ist ja auch schon mal was. Immerhin haben sich aufgrund dieses Ergebnisses interdisziplinäre kleinere Forschungsgruppen gebildet und mittlerweile erhalten wir die ersten spannenden Hinweise darauf, wofür denn dieses komische Genom nun wirklich zuständig ist.

Dies weiter auszuführen wäre zwar hochinteressant, würde aber nicht mehr zum Thema des Artikels passen, außerdem gehen die Forschungen (außer in Russland) recht schleppend voran, weil sie privat finanziert werden müssen da die Forschungsergebnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl Politik als auch viele Wirtschaftsmagnate ziemlich alt aussehen lassen.

Also halten wir einfach fest, die Gene haben sowohl mit Trading genau so wenig zu tun wie mit sonstigen Dingen die ihnen zurzeit noch zugeschrieben werden.


Nun… spielt dann vielleicht die Sozialisation eine Rolle?

Hier gibt es nicht wie bei den Genen ein eindeutiges „Nein“, sondern ein eindeutiges „Jain“.

Warum? Nehmen wir einfach mal zwei wesentliche Punkte der psychologischen Entwicklung heraus, die Sozialisation durch die Herkunftsfamilie und durch die Schule im weitesten Sinne.

Jeder hat Eltern und ist in einem bestimmten Kontext eines familienartigen Systems aufgewachsen. Dort versucht man üblicherweise die Kinder zu erziehen. Wie wir aus der Hirn- und Verhaltensforschung heute sicher wissen, ist „Erziehung“ ein Problem bzw. so wie wir Erziehung verstehen nicht mal möglich, denn Kinder machen niemals das was man ihnen sagt - höchstens kurzfristig um z.B. einer Bestrafung aus dem Weg zu gehen, was jedoch absolut nichts mit „lernen“ zu tun hat, in der Regel bringen wir damit Kindern nur bei, Angst zu haben. So funktioniert Lernen also nicht.

Das, was in neuronalen Netzwerken gelernt wird ist das, was die Eltern oder Bezugspersonen machen, welche Einstellungen sie haben, welche Strategien sie für X, Y und Z benutzen.

Und was kommt dabei heraus?
Wir finden neuronale Netzwerke und Verhaltensmuster bei den Kindern und zwar bevorzugt solche, die Eltern und Lehrer unbedingt vermeiden wollten. Heute wissen wir, dass Erziehung nur so stattfinden kann, dass die Bezugspersonen sich selber ändern und es damit dem Kind kongruent vorleben.

Das ist nur deshalb paradox, weil wir einfach nicht wussten, wie Lernen funktioniert. Erst seit wenigen Jahren wissen wir das und die ersten Schulmodelle beginnen (sehr erfolgreich) dieses Wissen umzusetzen.

Wir lernen das Wesentliche also nicht über Wissenserwerb sondern über ein automatisches Kopieren von Verhaltensmustern. Auch und besonders unbewusste und nichtausgesprochene Muster und ganz explizit die Muster, die man in der "Erziehung" unbedingt zu vermeiden versucht.

Auch Denkmuster und Einstellungen z.B. zum Thema Geld sind ein Verhaltensmuster, viele als "Krankheit" bezeichnete Zustände sind ebenfalls nur ein Verhaltensmuster. Depressionen zum Beispiel. Unterbrechen wir das Verhaltensmuster, mit dem die Depression erzeugt wird ist sie weg. Und zwar von jetzt auf gleich. (Das ist aber schlecht, weil man dann keine Tabletten oder unfassbar lange psychoanalytische Therapien mehr verkaufen kann, also sagen wir das niemandem.)

Wir können also gigantische Mengen an Wissen haben, davon haben wir unterm Strich jedoch gar nichts, wenn uns die verhaltensbestimmenden Faktoren im Weg stehen.

Und jetzt zum "Jain".

Ja,
diese Faktoren haben einen ganz enormen Einfluss auf das Trading weil diese unter anderem der Grund für sämtliche unbewussten Sabotageprogramme sind die als solche nicht mal erkannt werden da sie sich außerhalb der bewussten Wahrnehmung befinden. In diese Kategorie gehören zum Beispiel die Fehler, die sich wiederholen.

Und nein,
weil dies keine fixen oder unveränderlichen Komponenten sind. Wie jedes Muster können auch diese modifiziert oder durch andere Muster ersetzt werden.

Noch eine kleine Degression damit klar wird, warum das so wichtig ist: Ich habe mich seit einiger Zeit intensiv mit dem „warum ist das so“ beschäftigt und zu diesem Zweck viele sogenannte quantitative EEG-Ableitungen durchgeführt, mittels derer man in Echtzeit die Hirnaktivität darstellen kann.

Vereinfacht kann man sich vorstellen, die Hirnentwicklung verläuft von hinten unten nach vorne oben. Vorne oben haben wir die am weitesten entwickelten Regionen, diese brauchen wir zwingend um gute Entscheidungen zu treffen.

Angenommen Günther ist grad fröhlich und unbeschwert beim Trading und es läuft grad auch ziemlich gut, der Profit steigt und steigt.

Nun wird plötzlich ein Glaubenssatz getriggert, weil Günther früher als kleiner Günnipups ohne es zu Wissen eine negative Einstellung in Bezug auf Geld übernommen hat. Und dann geht es los.

Die Hirnfrequenzen beginnen sich zu verschieben. Langsame Frequenzbereiche, die für Langstreckenkommunikation im Hirn gebraucht werden, werden heruntergefahren, sehr schnelle Frequenzen (Stress, Angst etc.) werden dramatisch verstärkt, mittlere Frequenzbereiche die für einen guten vigilanten Modus stehen werden überlagert und schon haben wir den fürchterlichen (Kopf-)Salat.

Von vorne oben nach hinten unten wird eine Hirnregion nach der anderen sozusagen „vom Netz genommen“.

Je nachdem wie weit es führt – wenn es schlecht läuft bis hin zur Stammhirnüberaktivierung.

Die Wahrnehmung ist ebenfalls Frequenzabhängig und verschiebt sich von außen nach innen.

Günther sieht zwar noch den Chart vor sich, ist in seinem Erleben aber vollständig in die innere Welt abgetaucht und getriggert durch den negativen Glaubenssatz in Bezug auf Geld beginnt nun ein Kopfkino, das mit der Außenwelt absolut nichts mehr zu tun hat.

Er führt einen inneren Dialog und konstruiert ein Erleben, dessen Inhalt er sich zwar nicht bewusst ist aber aufgrund dessen er den Trade dann schließt.

Natürlich mal wieder „viel zu früh“. Er hat schon wieder auf inneres konstruiertes Erleben reagiert, und das was im Außen tatsächlich passierte nicht mehr in seine Wahrnehmungsverarbeitung einbeziehen können.

Später dann, wenn er wieder in einem Zustand ist in dem er die Außenwahrnehmung verarbeiten kann ärgert er sich, weil das ja eigentlich ganz klar war…

Diese Verschiebung von äußerer Wahrnehmung hin zu innerem konstruiertem Erleben ist übrigens auch die Ursache für jedes Missverständnis und jeden Streit. Man regiert nicht auf das, was tatsächlich passiert ist oder gesagt wurde, sondern auf seine innere Interpretation davon, die in der Regel nichts mit der „Realität“ zu tun hat.
Aber das nur als Randnotiz.

Ich wollte nur beispielhaft aufzeigen, was ein einfacher unbewusster Glaubenssatz für eine massive neurologische Wirkung hat. Und das ist eigentlich sogar noch die mildeste Form, aber schon völlig ausreichend um schlechte Entscheidungen zu treffen.

Denn eines ist absolut sicher:

In einem schlechten Zustand kann man keine guten Entscheidungen treffen.

Daher ist es im Trading wie auch im übrigen Leben zunächst die wichtigste Aufgabe, in einen guten Zustand zu kommen und den aufrecht zu erhalten.

Und tu Dir wirklich den Gefallen: Treffe niemals, also nie – wirklich niemals - eine Entscheidung, wenn Du nicht in einem guten Zustand bist.

Sorge dann erst dafür, in einen guten Zustand zu kommen. Das ist wichtiger als alles andere. Ich habe viele Menschen, aber auch große Unternehmen von heute auf morgen kollabieren sehen weil eine Entscheidung aus einem schlechten Zustand heraus getroffen wurde.

Auch das wäre sicher sehr interessant auszuführen, führt uns dann jedoch wieder in eine Degression und vom Thema weg, wir halten nur fest:
Durch die Sozialisation werden unbewusste verhaltenssteuernde Muster übernommen, die erheblichen Einfluss auf das Trading haben.

In der Untersuchung bzw. Modellierung von erfolgreichen Tradern ist festzustellen, dass die Menge an „Wissen“ ein nebensächlicher Faktor ist, der Unterschied liegt auf der psychologischen Seite.

Sorge für einen guten Zustand.
Du musst dich gut fühlen.
Je besser Du dich fühlst, desto besser sind deine Entscheidungen.

Notfalls darfst Du dich auch ohne Grund gut fühlen.

Dieser Satz ist zwar in einem Land wie unserem sehr merkwürdig, aber gib Dir die Erlaubnis, dich ab sofort auch ohne Grund gut zu fühlen!

Und falls Du zu denen gehörst, die eine Erlaubnis von außen brauchen: Ich erlaube Dir, dich künftig ohne Grund gut zu fühlen!

Und wo wir dann schon bei gut fühlen sind… kommen wir noch zum Körper.


Ob man den nicht irgendwie nutzen kann, wenn man ihn sowieso schon ständig dabei hat?

Ja – und zwar sehr gut. Es gibt tausend verschiedene Möglichkeiten den Körper für das Zustandsmanagement zu nutzen. Denn das Hirn steuert nicht nur en Körper, sonder auch der Körper steuert das Gehirn.

Eine davon möchte ich hier kurz erwähnen, denn das kann fast jeder selber ganz gut machen. Du kannst ja gerne damit experimentieren und später von deinen spannenden Entdeckungen im Kommentar berichten.

Neurobiologisch bzw. entwicklungsbiologisch stammen beispielsweise deine Hände aus demselben Keimblatt, aus dem ein wichtiger Teil deines Gehirns entstanden ist. Daher beeinflussen sich diese auch gegenseitig und stehen in enger Kommunikation. Wie kannst Du das nutzen?

Du machst eine bestimmte Handbewegung, wenn Du ein tolles Erlebnis beschreibst, bei dem Du dich saugut gefühlt hast.

In diesem Moment hast Du schon an eines gedacht, richtig?

Wenn es gar nicht anders geht, dann konstruiere ein Erlebnis richtig intensiv, denk Dir dann einfach eins aus, das macht für dein Gehirn überhaupt keinen Unterschied.

Beschreibe mir einfach ganz kurz (sprich es am besten wirklich laut aus) was der absolut beste Moment war und wie gut sich das angefühlt hat. Versetze Dich total in dieses gute Erlebnis.

Du wirst automatisch eine Handbewegung machen, nimm diese Handbewegung, dieses Bewegungsmuster ganz bewusst wahr!

Das kann so aussehen oder auch ganz anders.
Dateianhang: hand01.jpg Dateianhang: hand02.jpg

Diese „YES!!“-Bewegung ist fast immer ganz gut, aber auch andere sind gut, die Hauptsache ist, es fühlt sich gut an.

Sagst Du etwas bei dieser Bewegung? Gehört ein „YES!!!“ dazu oder etwas anderes? Ein Geräusch, ein tiefes Atmen, irgendetwas? Nimm das dazu.

Du solltest das auch einige Male wiederholen, und dich immer intensiver erinnern um das gute Gefühl noch stärker zu machen.

Wenn sich das dann richtig gut anfühlt, dann mache eine kleine Pause.

Dann machst Du nur die Handbewegung (und das Geräusch, Atmen etc.)

Merkst Du was?

Wenn Du alles richtig gemacht hast, dann sollte jetzt das gute Gefühl als Reaktion darauf folgen. Je öfter Du das machst, desto stärker wird es.


Und jetzt kommt der neurobiologische Trick:

Wenn Du später mal wieder beim Trading merkst, dass sich dein Zustand verschlechtert, Du Stress bekommst oder was auch immer… dann mach diese Handbewegung und sage „YES!!! Ich bin total gestresst! Das fühlt sich so gut an!“ oder etwas in der Art und Du wirst eine erstaunliche Entdeckung machen: Es wird Dir nicht mehr gelingen, diesen schlechten Zustand aufrecht zu erhalten.

Versuch es ruhig. „[Handbewegung] YES YES YES, dieser verdammte Stress!!“

Je mehr Du es versuchst, desto besser wirst Du dich fühlen!

Experimentiere ruhig damit, das ist keine Zauberei, das ist einfache Neurobiologie. Warum sollst Du denn nicht nutzen was Du hast?

Ich wünsche Dir eine gute Erfahrung mit diesem kleinen Trick und dass es Dich vielleicht auf die Idee bringt, dass es keinen Grund gibt und keinen Sinn macht sich schlecht zu fühlen, aber tausend Wege sich gut zu fühlen und alleine diese „Kleinigkeit“ hat das Potential, die Qualität deiner Entscheidungen deutlich zu verbessern.


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Über Scusi

Trading aus Leidenschaft für die Märkte, nicht professionell. Schwerpunkte Structure Trading / Analyse und Trading-Psychologie. Im "wirklichen Leben" Therapeut, Coach und Trainer.


2 Kommentare

Sehr interessanter Artikel. Wundert mich, dass es hier noch gar keine Kommentare gibt.

 

Würde mich freuen, weitere von dir verfasste Artikel zu lesen.

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jacktheripper
18.03.2016 - 20:59 Uhr
Ein sehr informativer und erleuchtender Artikel, ich wusste zwar das die Psyche beim Trading eine wichtige Rolle spielt, doch nun weiss ich es zu verinnerlichen und daran bewusst zu arbeiten. Vielen Dank dafür!!!


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