Inhalte aufrufen

  • Über WindowsLive anmelden Log In with Google Anmelden
  • Mitglied werden
Profilbild

Marktgeschehen in Echtzeit interpretieren und den Trade managen

- - - - -

  • Du kannst leider keine neuen Themen eröffnen
  • Please log in to reply
Keine Antworten zum Thema vorhanden

  #1
OFFLINE   eviterlepire

Ich eröffne dieses Thema, da ich es für ungeheuer wichtig halte. Ich sage vorab, dass es sich hier definitiv um mein eigenes Marktverständnis handelt, sodass jeder Leser die Information für sich persönlich nutzen oder verwerfen kann.

So mancher Trader entscheidet sich für oder gegen einen Ein- bzw. Ausstieg aufgrund von Candlestickformationen, hat jedoch das Problem, dass er nach dem Sichten einer bestimmten Kerzenkonfiguration mit einer festen Erwartungshaltung dem Markt gegenübersteht. Z.B. hat Trader X nach einer Abwärtsbewegung gerade ein Doji gesehen und steigt nach der ersten bullischen Folgekerze long ein, um zwei Kerzen weiter ausgestoppt zu werden. Frust und Resignation sind meistens die Folge. Das Problem ist, dass das Echtzeit-Marktgeschehen vom Trader meist übersehen wird und er viele wertvolle Informationen, die der Markt frei zur Verfügung gestellt hat, einfach ignoriert hat.

Vorab noch kurz ein Wort zur Psychologie (wer das Thema für sich vertiefen möchte, dem kann ich das Buch von Mark Douglas „Trading in the Zone“ wärmstens empfehlen). Man könnte berichtigterweise die Frage aufwerfen, WARUM Trader X alle vom Markt gelieferten Informationen entweder völlig ignoriert oder nur subjektiv auswertet. Dies hängt mit dem natürlichen Schutzmechanismus zusammen, der jedem Menschen innewohnt. Bei einer physischen Verletzung z.B. schüttet unser Körper massiv Endorphine aus, sodass wir den Schmerz nicht mehr wahrnehmen. Ähnlich funktioniert es auch auf psychologischer Ebene. Wenn wir einen Trade mit einer gewissen Gewinnerwartung eröffnet haben, empfinden wir Schmerz auf emotionaler Ebene, sobald der Markt gegen uns läuft. Dies äussert sich bekanntlich in Form von Angstzuständen, Bangen und Hoffen, Frust, Aggression, Niedergeschlagenheit usw. Dies kann sogar von psychosomatischen Effekten begleitet werden, z.B. fängt man an zu schwitzen und zu zittern, Herzschlag und Atemfrequenz steigen... Wenn wir uns in einem solchen Zustand befinden, möchte unsere Psyche den emotionalen Schmerz lindern, indem sie alle Warnsignale gegen unsere Position in ihrer Bedeutung relativiert oder gar völlig ausblendet, während jedes „Hoffnungssignal“ überbewertet wird. Das wichtigste für jeden Trader ist zunächst, einen klaren Kopf zu bewahren, während er im Markt ist, um in Echtzeit auf das Marktgeschehen reagieren zu können. Dazu macht man sich am besten klar, dass das (ZUVOR FEST DEFINIERTE) Risiko für den Trade der Preis ist, den man maximal zahlen muss, um herauszufinden, ob der Markt wirklich Geld hergeben will. Eine dem Markt gegenüber festgefahrene Meinung ist für das Trading tödlich.

Zurück zum eigentlichen Thema: Wie kann man Marktfluss in Echtzeit interpretieren? Dazu ein Beispiel: Der Preis nähert sich einem wichtigen Widerstandslevel aus dem H1-Chart, auf dem wir eine Short-Order mit SL etwas oberhalb platziert haben. Wird diese ausgelöst, sind wir vermutlich nicht die einzigen, die an dieser Stelle short gehen. Im Idealfall streichen Long-Trader an diesem Level ihre Gewinne ein, was in Verbindung mit den gerade eingestiegenen Short-Tradern das Aufwärtsmomentum schwächt und einen „Abpraller“ des Preises an diesem Level auslöst. Am besten beobachtet man den Vorgang nun im M5 oder im M1 Chart. Wir wollen sehen, dass sich der Preis relativ schnell vom Widerstandslevel zurückzieht, was das Szenario bestätigt, dass neue Verkäufer in den Markt kommen und Käufer gerade ausgestiegen sind. Damit wissen wir auch, dass unser Einstiegslevel durch neue Positionen geschützt ist. Damit sind wir aber noch nicht in Sicherheit: Der Preis kommt oft zum Einstiegslevel zurück, da viele Short-Trader nach ein paar Pips ihre kurzfristigen Gewinne realisieren und aussteigen. An diesem Punkt kommen meistens auch neue Käufer in den Markt, die den markanten Widerstand nicht wahrgenommen haben (weil sie sich z.B. nur im M5 Chart aufhalten) und folglich auf eine Fortsetzung des Trends spekulieren. In den nächsten Minuten sollten wir die Position auf keinen Fall sich selbst überlassen, sondern beobachten was passiert und auf diese Informationen, die der Chart uns in Echtzeit mitteilt, reagieren. Was beinhalten diese Informationen? Eben nur, ob neue Verkäufer einsteigen und Käufer aussteigen bzw. ob neue Käufer einsteigen und Verkäufer aussteigen oder ausgestoppt werden. Sollten neue Verkäufer dazukommen, gibt dies unserer Position einen festeren Grund und es wird wahrscheinlicher, dass ein angenehmer „Move“ zu unseren Gunsten folgt. Sollten dagegen neue Käufer einsteigen und der Preis hält sich oberhalb unseres Einstiegslevels auf, müssen wir davon ausgehen, dass Verkäufer ausgestoppt werden, was das Fundament unserer Position schwächt und es immer unwahrscheinlicher macht, das unser Trade funktioniert. In diesem Fall sollten wir uns dessen bewusst sein, dass sich mit hoher Wahrscheinlichtkeit gerade ein Verlusttrade entwickelt und diesen sofort so managen, dass wir mit möglichst geringem Verlust bzw. auf break even wieder aussteigen, bevor unser totaler SL kassiert wird.
Sollte die erste Reaktion an unserem Einstiegslevel hingegen in die gewünschte Richtung erfolgt sein, sollten wir einen Teilgewinn jedoch nach ein paar Pips realisieren (z.B. am nächsten Widerstand im M1 oder M5), DENN WIR WISSEN NICHT, OB UNSER EINSTIEGSLEVEL TATSÄCHLICH HÄLT. Wir können z.B. mindestens 50% in unserem Konto verbuchen und den Rest als „Bonus“ einfach laufen lassen, nachdem wir den SL auf Break Even nachgezogen haben.
Im besten Fall wird nach einer Reaktion an unserem Einsteig die nächste Unterstützung direkt durchbrochen. Damit wissen wir dann, das ein Großteil der Käufer, die zuletzt in den Markt eingestiegen sind, vermutlich ausgestoppt worden sind, was unsere Position weiter stützt. In diesem Fall wäre es evtl. sinnvoll darüber nachzudenken, die Position weiter auszubauen, wenn die durchbrochene Unterstützung nun zum Widerstand wird.

Soweit zur theoretischen Betrachtung. Ich hoffe, es konnte dem Einen oder Anderen weiterhelfen, das Marktgeschehen live zu interpretieren. Das Wichtigste ist jedoch - ich betone dies - einen klaren Kopf zu haben, um diese Informationen auch objektiv wahrnehmen zu können. Die meisten Trader stehen sich selbst im Wege und blenden alle Informationen einfach aus, die gegen ihre Position sprechen. Somit bleibt der psychologische Part vermutlich der schwierigste beim Trading...

Sorry, ist etwas länger geworden.

Viel Erfolg
  • PriNova, DaBuschi und Rainbowtrader gefällt das





0 Benutzer lesen gerade dieses Thema

0 Mitglieder, 0 Gäste, 0 anonyme Nutzer